Reichsitalien
historischer Staat, von den Herrschern des Heiligen Römischen Reiches beanspruchte Teil Italiens
as Langobardenreich war 774 von Karl dem Großen erobert worden. Otto I. heiratete 951 in Pavia Adelheid von Burgund und übernahm die langobardische Königskrone, wodurch er das Ostfrankenreich mit dem italienischen Königreich verband. Die Macht der Kaiser stützte sich vor allem auf Bischöfe, doch das Reichskirchensystem war schwächer als in Deutschland, während Stadtgemeinden und Adel an Einfluss gewannen. Nach dem Tod Ottos III. ließ sich Arduin von Ivrea zum König wählen, wurde aber von Bischof Leo von Vercelli besiegt. Konrad II. entschied 1037 mit der Constitutio de feudis den Streit zwischen capitanei und valvassores zugunsten der kleinen Lehensleute, die damit ihre Lehen erblich besaßen.
Mit dem Investiturstreit geriet das Reichskirchensystem in die Krise, während die Städte an Macht gewannen. Friedrich I. und Heinrich VI. bemühten sich um die Erneuerung der kaiserlichen Macht, worauf sich die Städte im Lombardenbund organisierten. Friedrich I. musste 1177/1183 die Wahl der Bürgermeister anerkennen. Sein Enkel Friedrich II. festigte die kaiserliche Macht erneut, richtete zehn Generalvikariate ein und setzte seinen Sohn Enzio von Sardinien als Generallegat ein. Der Lombardische Bund besiegte ihn jedoch in der Schlacht bei Fossalta, und mit Friedrichs II. Tod brach die staufische Herrschaft 1250 zusammen. Das Mittelalter war zudem durch den Konflikt zwischen Ghibellinen und Guelfen geprägt.
Nach dem Ende der Staufer nahm die kaiserliche Präsenz ab. Heinrich VII. versuchte 1310 bis 1313 vergeblich, Reichsitalien zu befrieden, erlangte aber 1312 die Kaiserkrönung und setzte die Visconti für Mailand als Reichsvikare ein. Karl IV. unternahm zwei Italienzüge und beschränkte seine Politik darauf, Privilegien gegen Bezahlung zu vergeben. König Ruprecht brach 1401 seinen Italienzug mangels Geld ab. Durch die Eroberung der Terraferma durch Venedig seit dem 14. Jahrhundert gingen weite Gebiete verloren, und im 15. Jahrhundert wurde Reichsitalien zu einer peripheren Region, in der noch Maximilian I. zeitweise aktiv war.