Rheingau
Kulturlandschaft am Rhein und im Rheingaugebirge
m alten Frankenreich war der Rheingau ein Gau, verwaltet im Auftrag des Königs durch die Rheingrafen. Bereits in karolingischer Zeit geriet er zunehmend unter den Einfluss des Erzbistums Mainz, erkennbar an der Gründung der Abtei Bleidenstadt durch Erzbischof Lullus und an Hrabanus Maurus, der 850 als Mainzer Erzbischof mit Residenz im Rheingau erwähnt wird. Im Jahr 983 machte Otto II. Erzbischof Willigis auf dem Reichstag in Verona die Veroneser Schenkung, die dem Erzbistum Gebiete von Ingelheim bis Heimbach und Kaub sowie den rechtsrheinischen Rheingau als Lehen zusprach. Sie wurde Grundlage für den späteren Kurstaat Kurmainz. Unter Erzbischof Adalbert I. besaß Kurmainz ab 1130 die uneingeschränkte Herrschaft über den Rheingau, verwaltet als Vizedomamt Rheingau.
Ein wichtiges Instrument Mainzer Politik war die Gründung von Klöstern, darunter Johannisberg zwischen 1106 und 1108, Eberbach erstmals 1116 und Mittelheim 1158. Unter Erzbischof Balduin entstand die Kurfürstliche Burg Eltville, die zu einer wichtigen Residenz wurde. Der Rheingau war 600 Jahre lang bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vom Rheingauer Gebück umschlossen. Im Jahr 1525 erreichte der Deutsche Bauernkrieg den Rheingau. Die Bauern lagerten vor Kloster Eberbach, plünderten dessen Vorräte und forderten die Auflösung der Klöster. Nach dem Herannahen der Truppen des schwäbischen Bundes ergaben sich die Bauern, die Erklärung wurde gegenstandslos, neun Rädelsführer wurden enthauptet und das Volk zur Zahlung von fünfzehntausend Gulden Sondersteuern verpflichtet.
Nach Auflösung des Kurstaates ging der Rheingau 1803 an Nassau-Usingen und war zur Zeit des Herzogtums Nassau in die Ämter Eltville und Rüdesheim gegliedert. Nach der Annexion des Herzogtums durch Preußen wurde im März 1867 der Rheingaukreis geschaffen. Nach einer Teilung 1886 war das verbliebene Gebiet identisch mit dem Rheingau zu kurmainzischer Zeit. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde der Rheingaukreis zum 1. Januar 1977 mit dem Untertaunuskreis zum Rheingau-Taunus-Kreis zusammengeschlossen. Seitdem ist Rheingau kein Begriff mehr für eine politische Verwaltungseinheit, bleibt aber Name einer Kulturlandschaft, zu der die Bewohner Verbundenheit bewahrt haben.