Kontextartikel2 Min. Lesezeit

Rheinischer Bund

Bündnis

ach dem Dreißigjährigen Krieg bestimmten zwei Faktoren die Politik der Reichsfürsten: die Unsicherheit des Westfälischen Friedens und die Furcht vor einem zu starken habsburgischen Kaisertum, verstärkt durch die Erfahrung des Restitutionsedikts von 1629. Reichsstände suchten Gegengewichte durch Bündnisse. Am 21. März 1651 gründeten die drei geistlichen Kurfürsten ein defensives Bündnis, das Kurrheinische Bündnis. Am 19. Februar 1652 entstand die protestantische Hildesheimer Allianz aus Braunschweig-Lüneburg, Hessen-Kassel und Schweden für Bremen und Verden, später auch Paderborn. Als Reaktion darauf entstand am 15. Dezember 1654 die katholische Kölner Allianz aus Kurköln, Kurtrier, Münster und Pfalz-Neuburg, der im folgenden Jahr am 11. August auch Kurmainz beitrat. Die Allianz sollte ein gemeinsames Heer von 7859 Mann zu Fuß und 1970 Reitern unterhalten. Durch den Beitritt des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn, der Vorsitzender des Kurfürstenkollegiums, Leiter der Reichskanzlei, erster Mann im Reichstag und Direktor des Kurrheinischen Reichskreises war, gewann das Bündnis politische Bedeutung. Schönborn übernahm bald die Leitung der Allianz.

Die politische Lage im Reich war um 1655 konfliktträchtig. Am 9. Juli 1654 war Ferdinand IV., Sohn und gewählter Nachfolger Kaiser Ferdinand III., überraschend verstorben. Sein zweiter Sohn Leopold war erst 14 Jahre alt, seine Wahl schien unsicher. Der Kaiser hatte 12.000 Soldaten nach Norditalien geschickt, was Frankreich als Unterstützung Spaniens ansah. Zugleich griff König Karl X. Gustav von Schweden 1655 Polen an und löste den Nordischen Krieg von 1655 bis 1660 aus. Angesichts dieser Bedrohungslage begann Schönborn im Sommer 1656 mit dem Aufbau einer überkonfessionellen Allianz. Nach dem Tod Ferdinands III. am 2. April 1657 folgte ein 15-monatiges Interregnum. Kardinal Jules Mazarin versuchte vergeblich, Leopold von der Thronfolge auszuschließen. In die Wahlkapitulation wurde der Artikel XIII eingefügt, der Leopold verbot, Spanien gegen Frankreich zu unterstützen. Leopold beschwor die Wahlkapitulation am 15. Juli 1658, wurde am 18. Juli gewählt und am 1. August zum Kaiser gekrönt.

Der Rheinbund diente vor allem als Militärbund mit gegenseitigem Schutz und militärischer Unterstützung im Kriegsfall. Frankreich konnte dadurch seine Truppenstärke erhöhen und war vor den österreichischen Habsburgern geschützt, während den deutschen Fürsten Sicherheit vor einem Angriff durch die Verbündeten Frankreichs zugesichert wurde. Im Türkenkrieg 1663/1664 sandte der Rheinbund ein Korps von 6000 Mann zur Unterstützung des Kaisers nach Ungarn, das auch in der Schlacht bei Mogersdorf kämpfte.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Rheinischer BundVersionsgeschichteBearbeitungsstand 261915833redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0