Schlacht auf dem Lechfeld
Schlacht der Ungarnkriege
m Jahr 955 dauerten die Kämpfe zwischen Magyaren und dem Ostfrankenreich bereits an die 60 Jahre. Im Vorjahr hatte sich im Liudolfinischen Aufstand fast der gesamte Süden des Reiches gegen Otto erhoben, was die Magyaren zu ihrem bisher weitesten Zug nutzten. Am 17. Dezember 954 hielt Otto in Arnstadt einen Reichstag ab, der den Konflikt mit Liudolf beendete. Sein Sohn Wilhelm wurde zum Erzbischof von Mainz gewählt. Doch der Aufstand im Süden war damit nicht beendet. Bei der Schlacht von Mühldorf am Inn 955 wurde Pfalzgraf Arnulf getötet, Erzbischof Herold von Salzburg wurde von Herzog Heinrich I. von Bayern geblendet. Im Frühjahr 955 trafen ungarische Gesandte bei Otto ein, wohl um seine Stärke auszuspionieren. Kurz nach ihrer Abreise überschritten die Ungarn die Reichsgrenzen und forderten Otto zur Feldschlacht.
Der Zug der Ungarn führte in den bayerischen Raum bis nach Augsburg, wo sie ihr Hauptlager aufschlugen und die Stadt belagerten. Anders als bei früheren schnellen Überfällen versuchten sie hier, die Herrschaft über Bayern und Schwaben zu erlangen. Obwohl die Stadt schlecht befestigt war, schlugen die Augsburger die Ungarn zunächst zurück, am härtesten umkämpft war das Osttor unter Bischof Ulrich, der die Stadt schon 926 gehalten hatte. Erst als ein Anführer fiel, brachen die Angreifer ab. In der Nacht ließ Ulrich Klosterfrauen Fürbitten sprechen. Am nächsten Tag griffen die Ungarn erneut mit Belagerungsgerät an, bis sie durch ein Hornsignal zurückgerufen wurden. Durch Perchtold gewarnt, sammelten sich die Ungarn zur Feldschlacht, während die Augsburger jeden entbehrlichen Mann ins Lager Ottos schickten.
Für die Ungarn bewirkte der katastrophale Ausgang der Schlacht eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft. Die Klasse der Reiterkrieger büßte an Macht ein, die Magyaren vermischten sich mit den ansässigen Slawen und wurden sesshaft. Sie zogen sich ins heutige Westungarn zurück. Großfürst Géza bat Otto um Missionare und entmachtete den alten Kriegeradel. Sein Sohn Stephan der Heilige heiratete die baierische Prinzessin Gisela. Für Otto bedeutete der Sieg eine Konsolidierung seiner Herrschaft. Aus Dank weihte er dem heiligen Laurentius in Merseburg ein Bistum. In der Folge nahm das Byzantinische Reich diplomatische Beziehungen mit den Ostfranken auf. Am 2. Februar 962 wurde Otto vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. Durch die Heirat seines Sohnes Otto II. mit Theophanu erkannte auch der Kaiser in Konstantinopel die ostfränkische Kaiserwürde an.