Augsburg
kreisfreie Großstadt in Bayern, Deutschland
Herkunft des Namens
er Name der Stadt, die zu den ältesten in Deutschland gehört, geht auf das 15 v. Chr. gegründete römische Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum zurück. Der Name bedeutet: Die Stadt des Augustus im Gebiet der Vindeliker. Die Vindeliker waren ein keltischer Volksstamm. Im 13. Jahrhundert löste sich die Stadt von der Bischofsherrschaft und wurde spätestens 1316 zur Reichsstadt. Sie war häufiger Schauplatz von Reichstagen mit engen Verbindungen zu den Herrschern des Heiligen Römischen Reiches, die unter anderem von den Kaufmannsfamilien Welser und Fugger finanziert wurden. Nach der Reformation wurde Augsburg bikonfessionell; 1555 wurde hier der Augsburger Religionsfriede geschlossen.
Antike
Als Gründungsjahr gilt 15 v. Chr., als auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Oberhausen ein Legionslager errichtet wurde. Kaiser Augustus hatte seinen Stiefsöhnen Drusus und Tiberius den Auftrag dazu erteilt. Um das Lager bildete sich im ersten Jahrhundert die Siedlung Augusta Vindelicum, der Kaiser Hadrian im Jahr 121 n. Chr. das römische Stadtrecht verlieh. Ab etwa 95 n. Chr. war Augsburg Hauptstadt der römischen Provinz Raetien. Tacitus bezeichnete die Stadt als die schönste Stadt Raetiens. Im Jahre 260 n. Chr. fielen die germanischen Juthungen in Italien und Raetien ein; 271 kam es zur Belagerung der Stadt. Nach der Teilung der Provinz Raetia 294 wurde Augsburg Hauptstadt der Provinz Raetia Secunda, in die nach dem Ende der römischen Herrschaft um 450 die Alamannen einfielen.
Frühe Entwicklung
Augsburg war zur Zeit Karls des Großen von Kämpfen zwischen Bayern und Franken betroffen. Der von Karl eingesetzte Bischof Simpert machte sich um den Wiederaufbau der Stadt verdient. Die Bedeutung Augsburgs wuchs gegen Ende des Frühmittelalters wieder an, als König Otto I. mit Hilfe des Bischofs Ulrich von Augsburg die westwärts strebenden Ungarn in der im Jahre 955 geführten Schlacht auf dem Lechfeld südlich der Stadt besiegte. Am 21. Juni 1156 erhielt Augsburg durch Kaiser Friedrich Barbarossa wieder das Stadtrecht, das 1251 durch das Recht auf Führung eines Siegels und auf Besteuerung der Bürger erweitert wurde.
Reichsstadt
Den Höhepunkt dieser Entwicklungen bildete die Reichsunmittelbarkeit, die am 9. März 1276 von König Rudolf von Habsburg mit dem Privileg des eigenen Satzungsrechts verliehen wurde. Das Stadtrecht wurde im Stadtbuch von 1276 zusammengefasst. Die Selbstständigkeit führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Hochstift; die bischöfliche Hauptresidenz wurde im 15. Jahrhundert nach Dillingen an der Donau verlagert. Laut Eberhard Isenmann war die Entwicklung zur Reichsstadt 1316 abgeschlossen, als Ludwig der Bayer die Unveräußerlichkeit der Stadt vom Reich garantierte. 1368 gab es einen Aufstand der städtischen Handwerker, der zur Einführung einer Zunftverfassung führte. Elf Jahre später trat Augsburg dem Schwäbischen Städtebund bei, der 1388 wieder zerfiel.
Frühe Neuzeit
Konrad Peutinger, Augsburger Stadtschreiber und kaiserlicher Rat, wurde im Frühjahr 1521 auf den Reichstag zu Worms gesandt, der unter der Regierung des jungen Kaisers Karl V. abgehalten wurde. Er sollte die alten Privilegien erneuern lassen und das Münzrecht für die Stadt erlangen, was ihm gelang. Am 21. Mai 1521 unterschrieb Karl V. die entsprechende Urkunde. Noch im selben Jahr wurde die Prägetätigkeit aufgenommen; die reichsstädtischen Prägungen endeten 1805, als Augsburg die Reichsfreiheit verlor und an Bayern fiel. Vom Beginn der Neuzeit bis zum Ende der Renaissance entwickelte sich Augsburg zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt, was vor allem auf den Einfluss der Kaufmannsfamilien Fugger und Welser zurückging. In dieser Zeit zählte Augsburg zusammen mit Köln, Prag und Nürnberg zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches.
Reformationszeit
Ab 1500 gehörte die Stadt zum Schwäbischen Reichskreis. Nach dem Reichstag zu Augsburg musste sich Martin Luther 1518 in den Fuggerhäusern vor dem vom Papst beauftragten Kardinal Thomas Cajetan verantworten. Er traf am 7. Oktober ein und verließ die Stadt am 20. des Monats; die Verhandlungen fanden am 12., 13. und 14. Oktober statt. Als Luther den Widerruf verweigerte, drohte die Verhaftung. Christoph Langenmantel führte ihn in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober heimlich durch eine geheime Pforte in der Stadtmauer, so dass er entfliehen konnte.
1529 gehörte Augsburg zu den Vertretern der evangelischen Minderheit beim Reichstag zu Speyer, beteiligte sich aber nicht an der Protestation. Die Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens, die auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 mit dem Augsburger Bekenntnis von Philipp Melanchthon formuliert wurde. Die Confessio Augustana ist die Bekenntnis- und Gründungsurkunde der Lutherischen Kirche. Zwischen 1524 und 1573 existierte in Augsburg eine bedeutende Täufergemeinde, bekannt vor allem durch die Augsburger Märtyrersynode im August 1527. 1548 veranlasste Kaiser Karl V. eine neue patrizische Stadtverfassung und erließ das Augsburger Interim. Mit der neuen Verfassung führte die Stadt ein paritätisches Regierungs- und Verwaltungssystem ein. Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden 1555 beruhigte das Zusammenleben der Bürger.
Dreißigjähriger Krieg
1628 wurde die Fuggerstadt mit einer Garnison von acht Kompanien bayerischer Truppen belegt, was wöchentliche Kosten von 8950 Gulden verursachte. Ab 1629 wurde das Restitutionsedikt zu Lasten der Protestanten mit Zwang durchgesetzt. Am 19. April 1632 stand das schwedische Heer unter König Gustav Adolf vor den Toren und forderte die Übergabe; am 20. April stimmte der Rat der freiwilligen Übergabe gegen freien Abzug der bayerischen Truppen zu. Mitte 1634 nutzten zwei schwedische Heere unter Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn die Stadt als Ausgangsort für ihre Operationen bei den Kämpfen um Regensburg und Landshut.
Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen wurde Augsburg im Herbst 1634 von kaiserlichen und bayerischen Truppen eingekreist und abgeriegelt. In der Stadt entstand eine Hungersnot mit 5000 Toten am Jahresende 1634. Am 13. März 1635 kapitulierte die Stadt. Seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung Augsburgs um zwei Drittel gefallen. Unter dem neuen bayerischen Stadtkommandanten Otto Heinrich Fugger wurde der religiöse Zustand zur Zeit des Restitutionsediktes wiederhergestellt, und die Stadt musste Entschädigungszahlungen von 300.000 Gulden aufbringen. Im September 1646 wurde Augsburg erneut Ziel eines vereinigten schwedisch-französischen Heeres unter Carl Gustav Wrangel und Turenne; die Schweden gaben die Belagerung auf, als sich ein bayerisches Entsatzheer unter Johann von Werth näherte.
Vom Barock zum Königreich Bayern
Nach 1653 fand auch 1690 nochmals in Augsburg die Wahl des Deutschen Königs statt. Am 13. Dezember 1703 wurde Augsburg im Spanischen Erbfolgekrieg durch die Bayerische Armee unter Kurfürst Maximilian II. Emanuel besetzt, die es 1704 wieder räumen musste. 1784/1785 kam es zu Weberunruhen, die am 29. Januar 1794 im Weberaufstand gipfelten. Hintergrund war die aufkommende Textilindustrie mit ihren Kattunmanufakturen. Johann Heinrich Schüle hatte 1771 mit der Schüleschen Kattunfabrik in Augsburg die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent errichtet.
Durch den Friedensvertrag von Pressburg vom 26. Dezember 1805 verlor Augsburg, das bereits am 21. Dezember von der Bayerischen Armee besetzt worden war, die Reichsfreiheit und fiel an das Königreich Bayern. 1840 ging eine erste Eisenbahnverbindung zwischen Augsburg und München in Betrieb. Im 19. Jahrhundert erlangte Augsburg noch einmal Bedeutung als Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. In der Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg, heute unter dem Kürzel MAN bekannt, entwickelte Rudolf Diesel 1893 bis 1897 den Dieselmotor.
Kirche und Konfession
Die Stadt war wohl schon seit dem 4./5. Jahrhundert Sitz eines Bischofs; um 738 wurde das Bistum Augsburg erneuert. Ab 1518 fand die Lehre Martin Luthers Anhänger in Augsburg und führte 1534/1537 zur offiziellen Einführung der Reformation durch den Rat der Stadt. Es folgte die Teilnahme am Schmalkaldischen Krieg; 1548 regelte ein Reichstag in Augsburg die Ausübung der Religion für eine Übergangszeit. Sieben Jahre später, 1555, wurde im Augsburger Religionsfrieden die Gleichstellung beider Konfessionen erreicht. Der Westfälische Friede von 1648 bestätigte das durch die Stadtverfassung von 1548 eingeführte paritätische Regierungs- und Verwaltungssystem. Diese Vereinbarung hatte bis zur Mediatisierung im Jahre 1805 Bestand und wird heute noch am Augsburger Hohen Friedensfest gefeiert.