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Schmalkaldischer Krieg

Konfessionskrieg im 16. Jahrhundert

Ein Bündnis zur Verteidigung

u Beginn der 1530er-Jahre wurde die Reformation in vielen Gebieten und Reichsstädten des Heiligen Römischen Reiches eingeführt. Damit verschärfte sich die Frage der rechtlichen Stellung des Protestantismus. Um einem möglichen militärischen Angriff des Kaisers begegnen zu können, schlossen sich einige protestantische Fürsten und Städte am 27. Februar 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Mitglieder waren unter anderen Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, Landgraf Philipp von Hessen, die Herzöge Philipp von Braunschweig-Grubenhagen und Ernst von Braunschweig-Lüneburg sowie elf Reichsstädte. Vorgänger war der Torgauer Bund, der nur auf Regionalebene in Norddeutschland wirkte und nie militärisch aktiv wurde.

Für Karl V. war die Wiederherstellung der Religionseinheit im Reich ein zentrales Anliegen. Daneben standen politische Motive: Eine konfessionelle Zersplitterung stärkte die Macht der Reichsstände auf Kosten der kaiserlichen Zentralgewalt. Die protestantischen Fürsten und Städte hatten durch die Einverleibung des Kirchenguts ihre Machtbasis vergrößert und wollten diese Gebietserweiterungen rechtlich absichern. Karl V. war zugleich König von Spanien und hielt sich selten im Reich auf. Er war in Kriege in Italien gegen Frankreich und gegen die Osmanen in Ungarn verwickelt und brauchte die Unterstützung aller Reichsstände. Deshalb kam er den Protestanten wiederholt entgegen, etwa im Nürnberger Religionsfrieden von 1532 und im Frankfurter Anstand von 1539.

Die Vorbereitungen

1544 beendete Karl V. im Frieden von Crépy die Auseinandersetzung mit Frankreich und handelte mit den Osmanen einen Waffenstillstand aus. Der Papst sagte für den Fall eines Krieges 10.000 Knechte und 500 Reiter für vier Monate sowie finanzielle Unterstützung zu. Auf dem Wormser Reichstag im Frühjahr 1545 stellte der Kaiser Religionsverhandlungen in Aussicht, knüpfte aber erste Kontakte zu möglichen Verbündeten. Auch den Regensburger Reichstag im Juni des folgenden Jahres nutzte er dazu; die Protestanten verließen ihn vorzeitig. Am 7. Juni 1546 unterzeichnete er einen Vertrag mit Papst Paul III. und eine Vereinbarung mit dem bayerischen Herzog, der nach außen neutral blieb, aber Sammelplätze, Verpflegung und Munition bereitstellte.

Am 19. Juni kam der Vertrag mit dem protestantischen Herzog Moritz von Sachsen zustande, dem Oberhaupt der albertinischen Linie. Er verpflichtete sich zur Neutralität und erhielt die Schutzherrschaft über Halberstadt und das Bistum Magdeburg. Weitere protestantische Fürsten zog der Kaiser auf seine Seite. Am 4. Juli 1546 trafen sich Kurfürst Johann Friedrich und Landgraf Philipp in Ichtershausen. Beide erkannten, dass der Kaiser über größere Mittel und damit ein größeres Heer verfügen konnte, das Bündnis seine Truppen aber schneller mobilisieren könne. Sie entschlossen sich zu einem Präventivkrieg.

Der Donaufeldzug

Anfang Juli 1546 stellten die süddeutschen Bündnismitglieder innerhalb weniger Tage ein Heer von 12.000 Mann unter Sebastian Schertlin von Burtenbach auf. Im Norden wurden etwa 16.000 Mann Fußvolk und 5000 Reiter zusammengezogen. Karl V. hatte kaum mehr als 1.000 Mann unter seinem Befehl, doch Verstärkungen aus den Niederlanden, Italien und Ungarn waren unterwegs. Am 10. Juli besetzten die Protestanten Füssen. Der Kaiser setzte sich in Richtung Regensburg ab. Herzog Wilhelm von Bayern erklärte sich für neutral, weshalb der schmalkaldische Kriegsrat die Verfolgung stoppte. Auch Schertlins Plan, Tirol und die Alpenpässe zu besetzen, wurde nicht erlaubt. Der Kaiser gewann Zeit, seine Truppen zu sammeln.

Am 20. Juli verhängte der Kaiser die Reichsacht über Johann Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen. Als Begründung diente die Gefangennahme Herzog Heinrichs II. von Braunschweig 1545. Ende Juli vereinigten sich die protestantischen Truppen bei Donauwörth mit den von Erfurt vorrückenden Verbänden; das Heer zählte nun etwa 7.000 Reiter und 50.000 Mann Fußvolk, das kaiserliche ungefähr 5.000 Reiter und 30.000 Knechte. Am 24. August lagerten die Kaiserlichen bei Ingolstadt. Der Kaiser nahm die Schlacht nicht an und verschanzte sich. Mitte September stieß die Armee Maximilians von Egmond mit etwa 17.000 Mann hinzu. Am 4. Oktober wich der Kaiser vor Nördlingen erneut einer Entscheidung aus.

Seit Mitte September litten die Protestanten unter Geldmangel. In dieser Lage fielen Erzherzog Ferdinand und Moritz von Sachsen von Sachsen und Böhmen her in das schwach verteidigte Kursachsen ein. Johann Friedrich zog seine Truppen am 16. November nach Sachsen zurück, nach längerem Streit mit Philipp, der zuerst den Kaiser besiegen wollte. Das restliche Heer löste sich rasch auf. Herzog Ulrich von Württemberg und Kurfürst Friedrich von der Pfalz unterschrieben zu Weihnachten 1546 Verträge über Neutralität und hohe Geldzahlungen. Die oberdeutschen Reichsstädte kapitulierten um die Jahreswende 1546/47. Anfang 1547 leistete im Süden allein Konstanz noch Widerstand; der Kaiser unterwarf die Stadt erst im Oktober 1548 und nahm ihr die Reichsfreiheit.

Der Sächsische Feldzug

Bereits im August 1546 hatte der Kaiser Ferdinand und Moritz aufgefordert, die Reichsacht zu vollstrecken und Kursachsen anzugreifen. Mitte Oktober erklärte Moritz seinem ernestinischen Vetter den Krieg. Vorausgegangen war der Prager Vertrag, in dem Moritz die Übertragung der sächsischen Kurwürde zugesagt wurde. Ende Oktober nahmen böhmische Truppen Plauen ein, Moritz brachte Zwickau und große Teile der Kurlande unter seine Kontrolle. Nur Gotha, Eisenach, Coburg und Wittenberg blieben kursächsisch. Johann Friedrich kehrte zurück, vertrieb die feindlichen Truppen um Jena und Weimar und nahm am 31. Dezember Halle ein. Seit dem 6. Januar 1547 belagerte er Leipzig, zog aber am 27. Januar ab.

Die Schlacht bei Mühlberg

Am 28. März 1547 brach der Kaiser von Nürnberg auf. In der Nähe von Eger vereinigten sich die Heere. Johann Friedrich lag mit seinem Heer bei Meißen. Am 23. April überschritt er mit etwa 7.000 Soldaten die Elbe und zog am Fluss nach Norden. Die Streitmacht des Kaisers folgte mit ungefähr 27.000 Mann auf der anderen Uferseite. Am Morgen des 24. April überquerten kaiserliche Soldaten teils schwimmend, teils an einer Furt den Fluss. Der Kurfürst befahl den Rückzug, doch Torgau und Wittenberg waren nicht mehr zu erreichen. Die protestantischen Truppen wurden vernichtend geschlagen. In einem Wäldchen bei Falkenberg wurde Johann Friedrich umzingelt und gefangen genommen.

Politische Folgen

Mit dem Sieg bei Mühlberg war der Krieg entschieden. Der gefangene Kurfürst wurde zunächst zum Tode verurteilt. Um die Hinrichtung abzuwenden und seinen Erben Gebiete in Thüringen zu retten, unterschrieb Johann Friedrich am 19. Mai 1547 die Wittenberger Kapitulation. Sie übertrug die sächsische Kurwürde an die albertinische Linie. Am 4. Juni wurde Moritz von Sachsen zum neuen Kurfürsten ausgerufen. Landgraf Philipp kam am 19. Juni nach Halle und wurde ebenfalls in Haft genommen. Beide ehemaligen Bundeshäupter wurden als persönliche Gefangene des Kaisers mitgeführt und kamen erst 1552 frei.

Der Kaiser befand sich nach dem Krieg auf dem Höhepunkt seiner Macht. Sein Reichsbundprojekt, die Reichsverfassung monarchisch zu reformieren, scheiterte am Widerstand der Reichsstände. Auf dem geharnischten Augsburger Reichstag von 1548 diktierte er das Augsburger Interim, mit dem weder Katholiken noch Protestanten zufrieden waren. 1551 verschwor sich Kurfürst Moritz von Sachsen im Fürstenaufstand mit anderen Fürsten gegen die Spanische Sukzession. Als sich die Verschwörer 1552 mit dem französischen König Heinrich II. verbündeten und Karl V. zur Flucht zwangen, handelte Ferdinand den Passauer Vertrag aus, der den Protestanten weitgehende Rechte zusicherte. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestätigte diese Rechte. 1556 dankte Karl V. zugunsten Ferdinands I. ab.

Nachwirkung

Obwohl es zu keiner großen Feldschlacht kam, wurden durch Belagerungen und Kanonaden weite Teile des heutigen Mittel- und Süddeutschlands verwüstet. Die Kämpfe wurden zum größten Teil mit angeworbenen Söldnertruppen geführt, die oft unterbezahlt waren und brandschatzend durch das Land zogen. Zerstörte Dörfer, unsichere Verkehrswege und Seuchen führten zu wirtschaftlichem Niedergang. Im Alten Reich hieß der Konflikt der teutsche Krieg, nach dem Dreißigjährigen Krieg mitunter auch der erste deutsche Krieg. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat das Interesse nachgelassen. Historiker bezeichnen ihn mitunter als ersten Konfessionskrieg; er wurde von unzähligen Flugschriften, Spottgedichten und Karikaturen propagandistisch begleitet.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Schmalkaldischer KriegVersionsgeschichteBearbeitungsstand 268515293redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Autor/-in unbekanntentstanden 1630Public domainQuelle