Siebenjähriger Krieg
kriegerische Auseinandersetzung aller europäischen Großmächte
Vorgeschichte
er Frieden von Aachen hatte 1748 den Österreichischen Erbfolgekrieg beendet, ohne die Spannungen zwischen den Großmächten zu lösen. Preußen unter Friedrich II. hatte Schlesien erobert und suchte durch Bündnisse, den Besitz zu sichern. Österreich unter Maria Theresia wollte Schlesien zurückgewinnen, wobei Kanzler Wenzel Anton Graf Kaunitz zunächst versuchte, Friedrich II. außenpolitisch zu isolieren. Russland unter Zarin Elisabeth strebte nach Westen und richtete sein Augenmerk auf Semgallen und Kurland, die unter polnischer Oberhoheit standen. Für deren Abtretung wollte Elisabeth das Königreich Preußen besetzen, um es Polen als Tauschobjekt anzubieten. So kam ihr der von Österreich gesuchte Krieg gegen Friedrich gerade recht.
Sachsen/Böhmen
Am 29. August 1756 überschritt die preußische Armee ohne Kriegserklärung die Grenze Sachsens. Die sächsische Armee unter Graf Rutowski wurde überrascht und in einem Lager bei Pirna eingeschlossen, während Dresden schon am 9. September kampflos besetzt wurde. Rutowski verweigerte die Kapitulation, da er auf Entsatz durch die österreichische Armee unter Feldmarschall Browne hoffte. Als diese Ende September nahte, zog Friedrich II. ihr mit der Hälfte seiner Armee entgegen. Am 1. Oktober 1756 kam es zur Schlacht bei Lobositz in Böhmen, die mit einem preußischen Sieg endete. Dadurch konnten die Österreicher die eingeschlossenen Sachsen nicht mehr erreichen, und die sächsischen Truppen mussten am 16. Oktober 1756 kapitulieren. Sie wurden zunächst in preußische Dienste gepresst, desertierten aber größtenteils im folgenden Frühjahr.
1757
Zu Beginn des Jahres 1757 stellte sich die Lage für Friedrich II. ungünstig dar. Am 17. Januar wurde der Reichskrieg gegen Preußen erklärt, da dieses durch den Angriff auf Sachsen Landfriedensbruch begangen habe, sodass die Reichstruppen als weiterer Gegner auftraten. Nur Tage später, am 22. Januar, unterzeichneten Russland und Österreich einen Allianzvertrag, dem am 1. Mai ein französisch-österreichisches Offensivbündnis folgte. Zusätzlich zum russischen Angriff und dem Krieg gegen Österreich rückten nun auch französische Truppen als Garantiemacht des Westfälischen Friedens in Deutschland ein, um gegen Preußen vorzugehen und Hannover als Faustpfand im Krieg gegen Großbritannien zu gewinnen. Da die Briten kaum wirksam für den Schutz Hannovers sorgen konnten, stellten die mit Preußen und Großbritannien verbündeten deutschen Fürstentümer eine sogenannte Observationsarmee gegen die französischen Streitkräfte auf.
Politische Folgen
Preußen hatte sich durch den Krieg als fünfte Großmacht im europäischen Mächtekonzert etabliert. Der mit den Schlesischen Kriegen begonnene Gegensatz zu Österreich blieb, abgesehen von der Phase gemeinsamer Gegnerschaft zu Napoleon, bis zum Krieg von 1866 für die deutsche Politik grundlegend und mündete bald darauf in den Bayerischen Erbfolgekrieg. Frankreich, durch den Krieg schwer verschuldet, gelang der Erwerb der als Kompensation zugesagten Österreichischen Niederlande nicht. Die Friedensbestimmungen brachten außerdem den Verlust des größten Teils des ersten französischen Kolonialreiches mit sich, sodass alle nordamerikanischen Besitzungen östlich des Mississippi sowie die indischen Besitzungen bis auf isolierte Siedlungen an die Briten abgetreten werden mussten. Der daraus entstehende französische Revanchismus war ein Grund für die Unterstützung der rebellierenden Kolonien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.