Stammesherzogtum Baiern
Herzogtum
ie Bajuwaren bildeten sich ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts zwischen Donau und Alpen, vermutlich aus einem aus Böhmen eingewanderten germanischen Stamm, der sich mit anderen Gruppen vermischte. Das ältere Stammesherzogtum lässt sich bis 555 zurückverfolgen, mit Garibald I. als erstem Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Die Herzöge setzten unter merowingischem Einfluss die fränkische Macht durch, Regensburg wurde Herzogssitz. Die Christianisierung führte zur Errichtung fester Bistümer durch Bonifatius 739 und 742. Mit dem Erstarken der Karolinger endete die Eigenständigkeit der Stammesherzogtümer. Herzog Odilo unterlag 743 gegen Karlmann und Pippin den Jüngeren, musste aber sein Herzogtum behalten. 788 wurde schließlich Tassilo III. gestürzt, nachdem er vergeblich versucht hatte, mit den Langobarden ein Bündnis zur Rettung der Eigenständigkeit zu schließen. Karl der Große setzte seinen Schwager Gerold als Präfekt ein, nicht mehr als Herzog.
Bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts gab es keinen bairischen Herzog mehr, die Karolinger regierten selbst als Könige. 817 schuf Kaiser Ludwig der Fromme für seinen Sohn Ludwig den Deutschen das neue Königtum Baiern. Unter Ludwig dem Deutschen rückte Baiern ins Zentrum der Macht, seit dem Vertrag von Verdun 843 war er König des Ostfrankenreichs. Unter Arnulf von Kärnten wurde Regensburg Regierungssitz. Nach dem Ende der Karolingerherrschaft erstarkte die Eigenständigkeit der Gebiete wieder, begünstigt durch die Bedrohung durch die Ungarneinfälle.
907 fiel Luitpold von Kärnten gegen die Ungarn, sein Sohn Arnulf I. nahm den Herzogstitel wieder an, was als Beginn des jüngeren Stammesherzogtums gilt. Nach Siegen über die Ungarn 909 bis 913 folgte eine zweite bairische Ostsiedlung. 948 wurde Heinrich mit Baiern belehnt, doch 976 verlor Herzog Heinrich der Zänker fast die Hälfte des Territoriums durch die Errichtung Kärntens. 1070 wurde Welf IV. Herzog, die Zeit war vom Investiturstreit geprägt. Nach mehreren Herzogswechseln zwischen Welfen, Babenbergern und Staufern gab Friedrich I. Barbarossa Baiern an Heinrich den Löwen zurück, der 1158 München gründete. Sein Konflikt mit Barbarossa führte 1180 zur Verbannung und zum Ende des jüngeren Stammesherzogtums, verbunden mit der Abtrennung der Steiermark.
1180 übertrug Friedrich Barbarossa das Herzogtum an den Wittelsbacher Otto I. Nach den früheren Abspaltungen Kärntens und Österreichs wurde nun auch die Steiermark abgetrennt. Das auf das heutige Altbayern geschrumpfte Herzogtum gewann zunehmend den Charakter eines spätmittelalterlichen Territorialstaats.