Wittelsbach
deutsches Hochadelsgeschlecht
Herkunft
ie genaue Herkunft der Wittelsbacher ist ungeklärt. Die heute meistbeachtete Theorie beruht auf der 1931 in Österreich veröffentlichten Genealogie Otto Freiherr von Dungerns. Dort beginnt die Geschichte der Familie um das Jahr 1000 mit einem Grafen Otto I. von Scheyern, in Urkunden als Otto comes de Skyrum genannt. Mit dessen Sohn Otto II. von Scheyern beginnt die gesicherte Stammlinie.
Legenden und die Luitpoldinger
Um den Ursprung ranken sich Legenden. Höfische Autoren der Renaissancezeit griffen auf Karl den Großen oder auf Helden aus dem antiken Troja Homers zurück. Der Historiker Karl Bosl vermutete eine Seitenlinie der Luitpoldinger, benannt nach Markgraf Luitpold von Bayern, gestorben 907. Dessen Sohn Arnulf der Böse wurde 919 zum deutschen Gegenkönig gewählt, unterwarf sich aber Heinrich von Sachsen und begnügte sich mit dem Herzogtum Bayern. Nach Arnulfs Tod 937 setzte König Otto I. dessen Sohn Eberhard 938 ab. Arnulfs jüngerer Sohn Arnulf II. erhielt das neu geschaffene Amt eines Pfalzgrafen von Bayern.
Kaiser Otto I. verheiratete seinen Bruder Heinrich mit Arnulfs Tochter Judith. So konnte Heinrich nach Bertholds Tod 947 Herzog von Bayern werden, Bertholds Sohn wurde übergangen. Damit hatten die Liudolfinger die Luitpoldinger verdrängt. Der 1045 erstmals erscheinende Otto I. von Scheyern, bald Vogt des Bistums Freising, ist der älteste eindeutig belegbare Vorfahr. Erst sein Enkel Otto V. von Scheyern erhielt 1116 das Pfalzgrafamt in Bayern. Die Lücke von etwa 150 Jahren füllen Vertreter der These teilweise mit Markgraf Berthold von Schweinfurt und dessen Sohn Heinrich, dessen Herkunft ebenfalls ungeklärt ist.
Herzöge von Meranien
Konrad II. von Scheyern-Dachau, Sohn Graf Konrads I. aus der Dachauer Linie, wurde 1153 als Konrad I. Herzog von Meranien. Er war der erste aus der Ahnenreihe der Wittelsbacher, dem ein Herzogsamt zufiel. 1159 folgte ihm sein Sohn Konrad II., der bis 1180/82 regierte.
Das Herzogtum Bayern ab 1180
Otto VI. von Scheyern-Wittelsbach, Pfalzgraf von Bayern, hatte sich auf Friedrich I. Barbarossas Italienzügen ausgezeichnet. Nach der Absetzung des welfischen Herzogs Heinrich des Löwen erhielt er 1180 das Herzogtum Bayern und nannte sich fortan Otto I. von Wittelsbach, Herzog von Bayern. Er regierte bis 1183. Ihm folgte sein Sohn Ludwig I. der Kelheimer, 1173 bis 1231. Nach dem Brand der Burg Wartenberg verlegte Ludwig seinen Hauptsitz ab 1204 auf die neu erbaute Burg Trausnitz in Landshut. Durch seine Ehe mit Ludmilla, Witwe des Grafen Albert III. von Bogen, kamen nach dem Erlöschen der Bogener 1242 die Grafschaft und das weiß-blaue Rautenwappen an die Wittelsbacher.
Ludwig I. unterstützte die Stauferkönige Heinrich VI. und Philipp von Schwaben. Durch Heiratspolitik erweiterte er seine Machtgrundlagen. Seinen Sohn Otto II. verlobte er 1212 als Sechsjährigen mit der Welfin Agnes, der Nichte Kaiser Ottos IV. Die Ehe wurde erst vor 1224 geschlossen. Schon 1214, nach dem Tod von Agnes' Bruder, ließ sich Ludwig durch den Stauferkönig Friedrich II. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnen. Damit kam der Goldene Löwe auf schwarzem Grund in das Bayerische Staatswappen. In Bayern wie in der Kurpfalz folgten die Wittelsbacher den Welfen nach und beherrschten beide Gebiete bis 1918.
Ein Neffe Ottos I., Pfalzgraf Otto VIII. von Wittelsbach, ermordete 1208 den Stauferkönig Philipp von Schwaben. Er wurde geächtet und 1209 erschlagen. Da ihm die Stammburg Wittelsbach gehört hatte, ließ Ludwig I. den namensgebenden Stammsitz schleifen. Zur Festigung des Herzogtums gründete er Städte wie Landshut, Straubing, Cham und Landau an der Isar. Regensburg, die alte Hauptstadt des früheren Stammesherzogtums Baiern, konnte er nicht gewinnen. 1231 wurde er auf der Donaubrücke in Kelheim ermordet. Sein Nachfolger Otto II. der Strenge berief 1240 erstmals einen Landtag nach München ein und amtierte von 1251 bis 1253 als Reichsgubernator für Konrad IV.
Nach dem Tod Ottos II. entstanden 1255 in der Erbteilung das Herzogtum Niederbayern und das Herzogtum Oberbayern mit der Pfalz. Beide trugen weiterhin den Titel Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein. Im 14. Jahrhundert wurden die Teilherzogtümer weiter aufgeteilt. Dreimal wurden Wittelsbacher zu Römisch-deutschen Königen oder Kaisern gewählt: Ludwig IV. von 1314 bis 1347, Ruprecht III. von der Pfalz von 1400 bis 1410 und Karl VII. von 1742 bis 1745. Als weltliche Kurfürsten stellten sie während der Sedisvakanzen vielfach die Reichsvikare. Die Wittelsbacher Erzbischöfe von Köln krönten eine Reihe von Kaisern.
Ungarn und Niederbayern
1305 wurde der niederbayerische Herzog Otto III., Sohn einer ungarischen Königstochter, als Bela V. zum ungarischen König ausgerufen. Bereits 1307 musste er die Krone an den ungarischen Fürsten Ladislaus Apor abgeben. Nach dem Tod Stephans I. und Ottos III. waren ihre Söhne unmündig; um die Vormundschaft stritten der oberbayerische Herzog Ludwig IV. der Bayer und die österreichischen Habsburger. In der Schlacht von Gammelsdorf setzte sich Ludwig durch. Nachdem die Brüder zwischen 1333 und 1339 gestorben waren, übernahm der elfjährige Johann I. die Herrschaft und starb im Dezember 1340. Niederbayern fiel an Ludwig den Bayern und wurde mit Oberbayern vereinigt.
Kurwürde und Kurfürstentum Bayern
Am 25. Februar 1623 erhielt Herzog Maximilian I. von Bayern die pfälzische Kurwürde. Er regierte von 1623 bis 1651; 1648 kam die Oberpfalz an Bayern. Es folgten Ferdinand Maria von 1651 bis 1679, Maximilian II. Emanuel von 1679 bis 1726 und Karl Albrecht von 1726 bis 1745, der 1741 bis 1743 auch König von Böhmen und ab 1742 als Karl VII. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Von 1745 bis 1777 regierte Maximilian III. Joseph. Die bayerische Linie starb 1777 aus. Ihr folgte mit Karl Theodor die Linie Pfalz-Sulzbach. Nach dessen Tod 1799 erlangte Maximilian Joseph, Herzog von Pfalz-Zweibrücken, die Kurwürde.
Die Kurpfalz
Die pfälzische Linie erhielt unter Ruprecht I. 1356 die Kurwürde. Ruprecht I. gründete 1386 mit Heidelberg die dritte deutsche Universität. Ruprecht III. wurde zum römischen König von 1400 bis 1410 gewählt, aber nur in einem Teil des Reiches anerkannt. Nach seinem Tod teilte sich die Linie in Kurpfalz, Pfalz-Neumarkt, Pfalz-Simmern und Pfalz-Mosbach-Neumarkt. 1444 entstand der Zweig Pfalz-Zweibrücken. Ottheinrich führte 1557 die Reformation nach lutherischer Lehre in der Kurpfalz ein; mit ihm starb die Heidelberger Linie 1559 aus. Die Kurwürde fiel an Friedrich III. den Frommen aus der Linie Pfalz-Simmern.
Dessen Urenkel Friedrich V. von der Pfalz wurde 1619 nach dem Ständeaufstand in Böhmen zum Winterkönig gewählt, gegen den Habsburger Ferdinand II. Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg floh er nach Holland. Ferdinand II. übertrug die pfälzische Kurwürde 1623 an Herzog Maximilian von Bayern, ohne das Territorium. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Pfalz und Bayern. Der Westfälische Friede schuf 1648 zwei neue Kuren, eine erhielt Karl I. Ludwig. Mit dessen Sohn Karl II. erlosch Pfalz-Simmern 1685. Es folgten Pfalz-Neuburg und ab 1742 Pfalz-Sulzbach. Nach deren Aussterben 1799 fielen die Territorien an Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler-Rappoltstein. Maximilian Joseph erbte Kurpfalz und Kurfürstentum Bayern und wurde 1806 als Maximilian I. Joseph erster König von Bayern.