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Wilhelm I. (Deutsches Reich)

deutscher Kaiser und König von Preußen (1861/1871–1888)

862 eskalierte der Streit zwischen dem König und dem Abgeordnetenhaus über die Heeresreform. Der Landtag lehnte die geforderte dreijährige Wehrdienstzeit ab und blockierte den Militäretat. Wilhelm sah darin eine Verletzung seiner Autorität, da er die Reform maßgeblich selbst entworfen hatte. Militärs rieten zum Staatsstreich, Wilhelm erwog sogar eine Abdankung. Stattdessen ernannte er den bisherigen Botschafter in Paris, Otto von Bismarck, zum Ministerpräsidenten. Mit dessen Hilfe ließ er Steuern ohne Bewilligung des Parlaments eintreiben und unzuverlässige Beamte bedrohen. Ob Wilhelm ernsthaft an eine Abdankung dachte, ist in der Forschung umstritten.

Im Juli 1870 verschärften sich die Spannungen mit Frankreich wegen der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Wilhelm gab den französischen Forderungen zunächst nach und ließ seinen Verwandten zurücktreten. Der französische Außenminister verlangte jedoch eine dauerhafte Zusage, dass kein Hohenzoller je den spanischen Thron besteigen werde. Diese Zusage verweigerte Wilhelm dem französischen Botschafter Vincent Benedetti am 13. Juli 1870 in Bad Ems. Er hielt die Kriegsgefahr durch den bereits erfolgten Verzicht für gebannt. Nachdem Bismarck die Emser Depesche redigiert und veröffentlicht hatte, wirkte Wilhelms Zurückweisung wie ein Affront. Frankreich ordnete daraufhin die Mobilmachung an. Im folgenden Krieg von 1870/71 galt Wilhelm als oberster Befehlshaber der deutschen Streitkräfte.

Der Proklamation zum Kaiser ging ein Streit zwischen Wilhelm und Bismarck voraus. Wilhelm verlangte, zum Kaiser von Deutschland ausgerufen zu werden, um seinen Herrschaftsanspruch auch in den nicht-preußischen Staaten zu bekräftigen. Bismarck fürchtete, dies könne die deutsche Einheit gefährden, da die bayerische Abgeordnetenkammer dem Beitritt noch nicht zugestimmt hatte und Widerstände der Könige von Württemberg und Bayern drohten. Nur durch Zugeständnisse an zahlreiche Sonderrechte hatte Bismarck die süddeutschen Vorbehalte gegen ein preußisch geführtes Deutschland abschwächen können. Er plädierte deshalb für den Titel Deutscher Kaiser, doch Wilhelm wollte davon nichts wissen. Noch am 17. Januar 1871, einen Tag vor der Kaiserausrufung, brach er die Vorplanung des Aktes ab.

Wilhelms Außenpolitik beruhte auf dynastischen Verbindungen und persönlichen Beziehungen zwischen den europäischen Monarchen, während er Bismarcks Verträgen weniger Bedeutung beimaß. Er hielt Russland für den wichtigsten Verbündeten des Deutschen Reiches, gegenüber Österreich hegte er als traditionellem Rivalen Preußens Vorbehalte. Für Russland sprachen aus seiner Sicht die verwandtschaftliche Nähe zum Zaren Alexander II., seinem Neffen, sowie dessen Neutralität in den beiden vorangegangenen Kriegen. Nach der Reichsgründung unterstützte Wilhelm dennoch Bismarcks Annäherung an Österreich-Ungarn und Russland. 1873 kam es zum Dreikaiserabkommen, mit dem Wilhelm, Franz Joseph I. und Alexander II. an die monarchische Wertegemeinschaft der früheren Heiligen Allianz anzuknüpfen versuchten.

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Grundlage: Wikipedia-Artikel Wilhelm I. (Deutsches Reich)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 270223872redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Wilhelm Kuntzemüllerentstanden 1884Public domainQuelle