Abtei Hersfeld
Benediktinische Reichsabtei in Bad Hersfeld
69 gründete der Mainzer Bischof Lullus ein Benediktinerkloster in Hairulfisfeld an der Stelle einer Einsiedelei des Mönchs Sturmius. Lullus entsprach damit den Plänen König Karls, des späteren Kaisers Karl der Große. Beide betrieben von Hersfeld aus die Unterwerfung und Christianisierung der Thüringer und Sachsen, sodass das Kloster zum Missionszentrum wurde. 775 erhob Karl der Große das Kloster zur abbatia regalis, der Reichsabtei, und stattete es mit Schenkungen aus. Im 8. und 9. Jahrhundert folgten weitere Schenkungen im ganzen Reichsgebiet, besonders in Thüringen und Hessen. 780 ließ Lullus die Gebeine des heiligen Wigbert von Fritzlar nach Hersfeld überführen, wodurch das Kloster zum Wallfahrtsort wurde. 782 lebten dort bereits 150 Mönche. Seit der Zeit von Abt Bun stand die Klosterschule in hohem Ruf.
Abt Egilolf erreichte 966/968 mit einem Papstdekret die Vollexemtion des Klosters, das nun direkt dem päpstlichen Stuhl unterstellt war und nicht mehr vom Mainzer Erzbistum abhing. Dies geschah durch Mitwirkung von Kaiser Otto I. König Heinrich II. verlieh der Abtei 1003 den Wildbann im Reichsforst Eherinevirst, wodurch sie ein geschlossenes Gebiet um Hersfeld erhielt. Weil die Äbte Gozbert und Bernhar die Klosterregeln verkommen ließen, setzte der spätere Kaiser Heinrich II. 1005 Godehard als Abt ein, der das Klosterleben reformierte. Sein Nachfolger Abt Arnold gründete eine Benediktinerpropstei auf dem Johannesberg und erhielt 1015 und 1016 weitere Schenkungen von Kaiser Heinrich II., darunter das Kloster Memleben. 1038 zerstörte ein Brand die Stiftskirche, die Abt Meginher wiederaufbauen ließ.
Nach dem Ende der Stauferdynastie im 13. Jahrhundert verlor die Reichsabtei ihren machtpolitischen Rückhalt bei den Königen. Der aufstrebende Landadel und das Bürgertum der Stadt setzten der Abtei zu, sodass sie fortan um den Erhalt ihrer Besitz- und Herrschaftsrechte kämpfen musste. Karl IV. erlaubte 1347 dem Abt zu eigenem Nutzen des Reichslehens Juden zu halten. Abt Berthold stand einem wachsenden Einfluss der Landgrafen von Thüringen und Hessen gegenüber und verbündete sich mit dem Sternerbund, was 1378 misslang. Daraufhin war die Reichsabtei 1383 zu einem Schutzbündnis mit den Landgrafen von Hessen gezwungen. Um die Existenz der Abtei zu sichern, ernannte Abt Albrecht von Buchenau 1432 den Landgrafen zum erblichen Schirmherrn des Stiftes. Das Fürstentum gehörte damit ab 1432 de facto zu Hessen, blieb aber formell kaiserliches Lehen und Reichsfürstentum.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Abtei zu einem weltlichen Fürstentum und von Kaiser Ferdinand III. 1648 als Reichslehen dem Haus Hessen-Kassel zugesprochen. Der Westfälische Friede zu Münster und Osnabrück regelte dies im 15. Artikel. Die Landgrafen von Hessen-Kassel hatten seitdem auch als Fürsten von Hersfeld Sitz und Stimme im Reichstag. Das Kloster wurde bereits unter Abt Joachim aufgegeben, die Stiftskirche seit dem Bauernkrieg nur noch für evangelische Gottesdienste genutzt. Im Siebenjährigen Krieg wurde die als Kornspeicher genutzte Stiftskirche am 19. Februar 1761 von abziehenden französischen Truppen in Brand gesteckt und gilt seitdem als Stiftsruine.