Agnes von Poitou
Regentin des römisch-deutschen Reiches
gnes, Tochter Herzog Wilhelms von Aquitanien und Poitou, wurde 1043 in Ingelheim mit Heinrich III. vermählt und in Mainz zur Königin gekrönt. Die Kaiserkrönung beider fand 1046 in Rom statt. Die Verbindung mit einem mächtigen französischen Fürstenhaus verstärkte den Druck auf das französische Königshaus und verbesserte Heinrichs Position in Burgund. Agnes war fromm und gebildet, die Abtei Cluny war eine Gründung ihrer Familie, deren Abt Hugo später Taufpate Heinrichs IV. wurde. Sie bestärkte Heinrich in seiner sakralen Herrschaftsauffassung und unterstützte seine kirchenreformerischen Ideen. Unter ihren sechs Kindern waren neben Heinrich IV. auch Adelheid, Gisela, Mathilde, Konrad und Judith, die spätere Königin von Ungarn.
Nach dem Tod Heinrichs III. 1056 übernahm Agnes die Regentschaft für den unmündigen Heinrich IV. und führte zunächst mit Hilfe Papst Viktors II. die Politik ihres Mannes fort. Sie band Adlige durch Belehnung mit Herzogtümern an sich, etwa Konrad III. von Kärnten 1056 und Rudolf von Rheinfelden mit Schwaben 1057. 1061 musste sie auch Bayern abgeben und setzte Otto von Northeim als Herzog ein, der das Reich gegen die Ungarn verteidigte und einen Ausgleich erreichte, gefestigt durch die Heirat Salomons mit Judith 1063. Die ältere Forschung warf Agnes vor, den Niedergang der salischen Zentralgewalt beschleunigt zu haben, doch wird ihr dies heute nicht mehr uneingeschränkt vorgehalten. Ihr wurde per Eid zugesichert, im Falle einer Thronvakanz einen Wahlvorschlag treffen zu können, was ihre Anerkennung als legitime Herrscherin zeigt.
Der Tod Papst Viktors II. 1057 wurde zum Wendepunkt. Papst Nikolaus II. legte 1059 die Papstwahl in die Hände der Kardinäle, was sich gegen Kaisertum und römische Aristokratie richtete. Nach dessen Tod 1061 wählten die Kardinäle Anselm von Lucca als Alexander II., doch Agnes verweigerte die Anerkennung und stellte ihren eigenen Kandidaten Cadalus von Parma als Honorius II. entgegen, der 1061 in Basel inthronisiert wurde. Es kam zum Schisma, das erst 1064 in Mantua beigelegt wurde. Dass sich Honorius II. in Rom nicht durchsetzen konnte, versetzte Agnes einen politischen Schlag, da erstmals ein vom deutschen Hof ernannter Papst gescheitert war.
Der von Agnes eingesetzte Subregent Heinrich von Augsburg wurde von den Fürsten nicht akzeptiert, und Gerüchte über ein unsittliches Verhältnis zwischen ihm und Agnes kamen auf. Zudem vertraute Agnes zunehmend Ministerialen wie Kuno, der die Erziehung ihres Sohnes übernahm, was Adel und Klerus missfiel. Anfang April 1062 entführte eine Gruppe von Fürsten unter Führung Erzbischof Annos von Köln den jungen Heinrich IV. in Kaiserswerth. Die Motive der Verschwörer sind unklar, die Forschung sieht heute sowohl Machtstreben Annos als auch Sorge um die Erziehung Heinrichs als Gründe. Danach teilten sich Anno, Erzbischof Siegfried I. von Mainz und später Adalbert von Bremen die Regierungsverantwortung, während Agnes weiterhin am Hof blieb und, wie Tilman Struve zeigte, erst knapp drei Jahre später ihre Romreise antrat, um die Thronansprüche ihres Sohnes zu sichern.