Alamannen
antike und frühmittelalterliche germanische Ethnie am Rhein und in Süddeutschland
rößere Angriffe germanischer Gruppen sind für 213 und 233/234 überliefert, und in den 50er Jahren des 3. Jahrhunderts soll ein Einfall unter König Chrocus Gallien verwüstet haben. Kaiser Gallienus bezwang die Alamannen 260 bei Mailand, doch das durch Bürgerkriege geschwächte Römische Reich konnte den Limes und das Dekumatland nicht mehr halten. Der militärische Schutz wurde um 260 aufgegeben, und germanische Gruppen siedelten sich in dem nun Alamannia genannten Gebiet bis zum Main an. Am 21. April 289 erwähnte Mamertinus in Trier in einer Lobrede auf Kaiser Maximianus erstmals zeitgenössisch die Alamanni, ab diesem Jahr ist auch die Bezeichnung Alamannia für das Gebiet nördlich des Rheins nachweisbar.
Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion der Alamannen nach Gallien und Noricum ein. Ihr Siedlungs- und Herrschaftsgebiet reichte nördlich bis Mainz und Würzburg, südlich bis zu den Voralpen, östlich bis zum Lech und fast bis Regensburg, westlich bis an den Ostrand der Vogesen und bis um Dijon sowie südwestlich bis an die Aare. Zwischen 496 und 507 erlitten die Alamannen nach Gregor von Tours entscheidende Niederlagen gegen den fränkischen König Chlodwig I. aus dem Geschlecht der Merowinger, möglicherweise in der Schlacht von Zülpich und der Schlacht bei Straßburg 506. Der Ostgotenkönig Theoderich stellte die südlichen Teile Alamanniens zunächst unter ostgotisches Protektorat, doch 536/537 überließ Witichis dieses Protektorat dem Frankenkönig Theudebert I. Damit endete die Souveränität der Alamannen, und die fränkischen Könige setzten unregelmäßig Herzöge für das alamannische Gebiet ein.
Alamannien wurde im Frankenreich als Herzogtum gefestigt, das größtenteils mit dem späteren Herzogtum Schwaben übereinstimmt, während das Elsass meist als eigenes Herzogtum geführt wurde. Ein alamannischer Herzog gründete zusammen mit dem fränkischen Hausmeier das Kloster Reichenau. Im Blutgericht zu Cannstatt 746 wurde der Widerstand der alamannischen Herzöge endgültig gebrochen und das Herzogtum aufgehoben. Kaiser Ludwig der Fromme versuchte zwischen 829 und 838, seinem Sohn Karl II. ein Königreich Alemannia zu schaffen. Im 10. Jahrhundert wurde das ostfränkisch-deutsche Herzogtum Alamannien neu gegründet, nach dem Investiturstreit 1079 aber faktisch geteilt, und die Bezeichnung Herzogtum Alamannien wurde fortan durch Herzogtum Schwaben ersetzt.
Die Alamannen verehrten bis ins 7. Jahrhundert altgermanische Gottheiten, bezeugt sind Wodan, dem Bieropfer dargebracht wurden, und Donar. Der römische Schriftsteller Agathias berichtet von den 553 in Italien eingefallenen Alamannen, dass sie Bäume, Flusswellen, Hügel und Schluchten verehrten und ihnen Tiere opferten, und nennt auch alamannische Seher. Mitte des 5. Jahrhunderts setzte sich bei den Alamannen eine neue Bestattungsform durch, die Reihengräbersitte, wie im Gräberfeld von Stuttgart-Feuerbach zu sehen, wodurch sich die Quellenlage für die Archäologie änderte.