Alexander von Roes
Reichstheologe
lexander war als Kanoniker am Stift St. Maria im Kapitol in Köln tätig. 1280/81 hielt er sich an der Kurie in Rom auf und befand sich dort offenbar im Umfeld des Kardinaldiakons Giacomo Colonna, der aus einer der einflussreichsten stadtrömischen Familien stammte und politisch pro-kaiserlich gesinnt war. Alexander scheint vor dem Jahr 1300 verstorben zu sein.
Das Memoriale de prerogativa imperii Romani ist eine 1281 verfasste und Giacomo Colonna gewidmete politische Denkschrift. Ihr Leitthema ist der politische Vorrang des Heiligen Römischen Reiches in der lateinischen Christenheit, der auch heilsgeschichtlich begründet wird. Alexander betonte in Form einer Streitschrift die Bedeutung des als universal verstandenen mittelalterlichen Imperiums nach dem Ende der Staufer erneut. Dies geschah in bewusster Auseinandersetzung mit konkurrierenden französischen Ansprüchen, nachdem das Reich infolge des Interregnums politisch an Bedeutung eingebüßt hatte, während Frankreich zur neuen Vormacht im lateinischen Europa aufstieg. Ebenso betonte er die Unabhängigkeit des Kaisertums vom Papsttum.
Alexander entwickelte zudem eine Rangordnung der Völker, die Weltämter, der zufolge in Europa den Deutschen die Herrschaft, den Italienern der geistliche Bereich und den Franzosen die Wissenschaft zustehe. Im weiteren Verlauf des Spätmittelalters fand das Memoriale einige Verbreitung, und im 15. Jahrhundert entstand eine gekürzte deutsche Übersetzung. Die Schrift gehört damit zu den ältesten deutschen politischen Prosatraktaten.