Aller
rechter Nebenfluss der Weser
Handelsweg im Mittelalter
m Hochmittelalter wurde die Aller nicht nur bis Celle befahren, sondern mit kleinen Fahrzeugen weiter über die Oker bis nach Braunschweig. Ein Passus im Stadtrecht des Braunschweiger Stadtteils Hagen aus dem Jahr 1227 belegt dies. Die Flussschifffahrt trug zum wirtschaftlichen Aufstieg von Braunschweig bei, da es Herzog Heinrich dem Löwen gelang, sie in seine Hände zu bekommen. Der Transportweg für Metalle aus dem Harz verlief von Braunschweig über Oker, Aller und Weser zur Nordsee. Im 14. Jahrhundert war Celle die bedeutendste Kornverladestelle im Gebiet des heutigen Niedersachsen. Um 1500 konnten die Allerschiffe bereits eine Ladung von etwa 60 Tonnen tragen. Vor allem die Unteraller zwischen Celle und Verden hatte in früheren Jahrhunderten große wirtschaftliche Bedeutung für den Schiffsverkehr. Dieser ließ sich in den oberen Flussabschnitten jedoch nicht dauerhaft aufrechterhalten, sondern erforderte vertragliche Absicherung und technische Gewässerunterhaltung.
Burgen und Klöster am Fluss
Entlang der Aller entstanden über die Jahrhunderte zahlreiche Wehranlagen und geistliche Bauten. Dazu zählen die Bunkenburg als Ringwallanlage des 13. Jahrhunderts in Ahlden, mehrere Burgen wie Bierde, Blankenburg, Blankenhagen, Hodenhagen, Hudemühlen, Oebisfelde und Rethem, der im 12. Jahrhundert entstandene Dom zu Verden, das im 13. Jahrhundert gegründete Zisterzienserkloster Wienhausen, das Schloss Bartensleben, das 1549 erbaute Wasserschloss Ahlden, das im 10. Jahrhundert als Wehrturm an einer Allerfurt entstandene Schloss Celle, das 1581 fertiggestellte Schloss Gifhorn, die Uhlenburg bei Essel sowie das Schloss Wolfsburg.
Überschwemmungen und frühe Regulierung
In früheren Zeiten kam es in der Allerniederung häufig zu lange anhaltenden Frühjahrsüberschwemmungen, bedingt durch das geringe Flussgefälle im eiszeitlichen Urstromtal. Nach der Schneeschmelze im Leinebergland und im Harz musste der Fluss über Leine und Oker große Wassermengen aufnehmen. Im Oberlauf füllte die Aller im Frühjahr das flache Sumpfbecken des Drömlings, aus dem sich das Wasser nur langsam zurückzog, während die Ohre diffus durch das Gebiet floss. Da die Wasserscheide zwischen Weser und Elbe als Talwasserscheide durch den Drömling führt, konnte es sogar zu einem Wechsel der Fließrichtung kommen, wobei Allerwasser zur Elbe abfloss. Den zu Preußen gehörigen Ostteil des Drömlings ließ Preußenkönig Friedrich der Große zwischen 1780 und 1796 entwässern und für Kolonisten urbar machen. Dabei entstand der rund 24 Kilometer lange Allerkanal von Grafhorst in den Raum Calvörde, über den Allerwasser zur Ohre abfließen konnte. Ein weiterer, 1863 fertiggestellter Kanal gleichen Namens schützte die Allerniederung bei Gifhorn vor Hochwasser.