Ancona
italienische Gemeinde
74 schenkte Karl der Große Ancona zusammen mit dem Exarchat von Ravenna dem Papst. Unter den Staufern erklärte sich Ancona Anfang des 11. Jahrhunderts für unabhängig und behauptete sich als Republik. Gegen eine Attacke Kaiser Lothars III. konnte es sich 1137 erfolgreich verteidigen. 1167 belagerte Kaiser Friedrich Barbarossa die Stadt vergeblich und zog nach Zahlung einer hohen Abgabe wieder ab. 1173 folgte eine noch heftigere Belagerung durch kaiserliche Truppen unter Leitung des Mainzer Erzbischofs Christian I. von Buch, unterstützt von einer venezianischen Flotte. Trotz Hungersnot und List der Belagerer erhielt die Stadt Entsatz, unter anderem durch Aldruda Frangipane und den Herzog von Ferrara, Guglielmo Marcheselli. Im Oktober 1173 hob der Erzbischof die Belagerung schließlich unverrichteter Dinge auf.
1553 gewährte Papst Julius III. einer Gruppe von 100 Marranen, die vor der Spanischen Inquisition geflüchtet waren, Zuflucht in Ancona. Ein Jahr später dehnte er das Zuzugsrecht auf alle Juden aus, gegen die Zahlung von 1000 Golddukaten jährlich. Unter Julius durften die Juden unbehelligt ihre Religion ausüben und eine Synagoge bauen. Diese Toleranz endete abrupt mit der Thronbesteigung Kardinal Giovanni Caraffas als Papst Paul IV., der am 17. Juli 1555 in seiner Bulle Cum nimis absurdum für Juden die Pflicht einführte, in Ghettos zu leben. Wenige Tage danach wurde die gesamte jüdische Gemeinde unter Arrest gestellt, 24 Marranen wurden verbrannt. Ein Jahr später organisierte Gracia Mendes Nasi zusammen mit ihrem Neffen Joseph Nasi von Konstantinopel aus einen erfolglosen Boykott Anconas.
Durch den Vertrag von Tolentino vom 19. Februar 1797 musste Papst Pius VI. Ancona den Franzosen abtreten, die Stadt wurde zur Republik erklärt. 1799 ergab sie sich den Österreichern und Russen. 1805 besetzten Truppen Napoleons erneut die Stadt, die ab 1808 zum von ihm regierten Königreich Italien gehörte. 1813 wurde sie von den Neapolitanern eingenommen, 1814 kehrte Ancona in den Besitz des Papstes zurück. 1832 besetzten französische Truppen Ancona gegen den österreichischen Einfluss im Kirchenstaat und blieben bis Dezember 1838. 1849 wurde die Stadt nach Belagerung und Bombardement von den Österreichern unter Wimpffen zur Kapitulation gezwungen. Mit Umbrien und den Marken wurde Ancona am 17. Dezember 1860 dem Königreich Italien einverleibt.