Astronomus
Biograf Ludwigs des Frommen
er Astronomus war ein fränkischer Adliger, wahrscheinlich Kanoniker oder Mönch, und ein hochrangiges Mitglied der Hofkapelle Ludwigs des Frommen. Nach eigenen Angaben hielt er sich seit 814 am Hof Ludwigs auf und galt bei der Erscheinung des Kometen Halley 837 als der dort für Astronomie zuständige Experte. Von diesen astronomischen Kenntnissen leitet sich sein Name ab. Außerdem besaß er gute medizinische und juristische Kenntnisse sowie eine entsprechende literarische Bildung.
Zur Identität des anonymen Verfassers gab es mehrere Vorschläge, ohne dass bisher eine Einigung erzielt wurde. Pierre Delalande nannte 1666 einen Luitolf, der jedoch nicht unter den Mitgliedern der Hofkapelle Ludwigs des Frommen begegnet. Johann Georg von Eckart dachte 1729 an Hirminmaris, Notar in der Kanzlei Ludwigs des Frommen von 816 bis 839. Bernhard von Simson schlug 1907 Gerold vor, Archidiakon und später Mönch in Corvey. Max Buchner brachte 1940 Hilduin den Jüngeren ins Spiel, gestorben 860, Neffe Hilduins von Saint-Denis und Erzkapellan Karls des Kahlen. Matthias Tischler schlug 2001 den Bischof Jonas von Orléans vor, gestorben 843, unter anderem weil die früheste Rezeption des Astronomus im Kloster Fleury nahe Orléans zu fassen sei.
Der Astronomus verfasste die einzige vollständige Biografie Ludwigs des Frommen, die Vita Hludowici, wahrscheinlich im Winter 840/841. Als Quellen nutzte er einen heute verlorenen Bericht eines Mönches namens Adhemar für die Jugendzeit Ludwigs, Einhards Vita Karoli Magni sowie die Reichsannalen für die Zeit von 814 bis 829. Er legte sein Werk chronologisch nach Art der Annalen an, irrte sich aber bisweilen in der zeitlichen Abfolge. Anders als Einhard, der bei Karl dem Großen die Tatkraft betont, hebt der Astronomus die inneren Qualitäten Ludwigs des Frommen hervor, indem er dessen Eigenschaften aus der Schilderung seines Verhaltens erschließen lässt. Die Rezeption des Astronomus konzentrierte sich auf das westfränkisch-französische Reich, während die Biografie des Thegan vor allem im ostfränkisch-deutschen Reich verbreitet war.