Aufklärung
europäische kulturelle Bewegung des 17. und 18. Jahrhunderts
rößere technologische und politische Umwälzungen unterschieden die Frühe Neuzeit vom Mittelalter und vom 19. Jahrhundert. Der Buchdruck brachte ab etwa 1500 eine neue, zunächst begrenzte Öffentlichkeit hervor, die nicht mehr an die Gelehrsamkeit der Klöster gebunden war. Der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 folgte eine Neuorganisation des europäischen Mächtegewichts. Die Reformation veränderte ab 1520 Europas Bündniskonstellationen und das Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern. Diese politischen und bildungsgeschichtlichen Voraussetzungen bereiteten den Boden für die spätere Entwicklung aufklärerischen Denkens in den europäischen Territorien.
Als 1685 mit der Rücknahme des Edikts von Nantes die Religionsfreiheit der Protestanten in Frankreich widerrufen wurde, hatte dies nicht nur in England bedeutsame Folgen. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst, stellte mit dem Edikt von Potsdam die Weichen in seinem Herrschaftsbereich nachhaltig in Richtung einer tolerantenReligionspolitik. Damit reagierte ein Territorium des Heiligen Römischen Reichs unmittelbar auf religionspolitische Umbrüche in Frankreich und setzte selbst ein aufklärerisches Signal in Fragen der Glaubensfreiheit.
Die gegenüber religiös begründeten Dogmen zunehmend kritisch eingestellten Vertreter der Aufklärung gingen im staatstheoretischen Rahmen über das bis dahin von christlichen Monarchen als Legitimationsgrundlage genutzte Gottesgnadentum hinweg. Die auch frühneuzeitlichen Herrschern noch bequemen Bibel-Aussagen des Apostels Paulus im Römerbrief hatten als Rechtfertigung ausgedient. Eine dem Vernunftprinzip der Aufklärung verpflichtete Legitimation staatlicher Gewalt bedurfte fortan anderer Grundlagen. Damit verschob sich die Grundlage von Herrschaft, wie sie auch im Heiligen Römischen Reich in vielen Territorien galt, von religiöser Begründung zu vernunftbasierter Rechtfertigung staatlicher Macht.
Die politischen Diskussionen veränderten sich, nachdem 1776 mit den Vereinigten Staaten von Amerika tatsächlich eine neue Nation nach den Modellen der Aufklärung geschaffen worden war, als demokratisches und republikanisches Gemeinwesen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten, die 1787 unterzeichnet wurde, setzte wesentliche Erwägungen der staatstheoretischen Debatte um, die John Locke in den späten 1680er Jahren angestoßen hatte. Diese praktische Umsetzung aufklärerischer Staatstheorie in Nordamerika zeigte, wie die europäischen Debatten über Herrschaft, Vertrag und Bürgerrechte konkrete politische Gestalt annehmen konnten.