Awaren
Asiatisches Reitervolk und ihr frühmittelalterliches Reich in Südost- und Mitteleuropa
ach 555 zogen die Awaren unter dem Druck der Kök-Türken nach Westen und erreichten spätestens 557 das Steppengebiet des späteren Südrusslands. Der awarische Botschafter Kandich stellte über die Sarmaten Kontakt mit Kaiser Justinian I. her, und im Januar 558 kam es in Konstantinopel zu einem Treffen und Vertrag. Dieser bildete die Grundlage für weitere Verträge bis 626: Byzanz zahlte Tribut, die Awaren griffen im Gegenzug nicht an. Die Zahlungen stiegen von 80.000 Solidi pro Jahr ab 574 auf zuletzt 200.000 Solidi ab 623. Aus oströmischer Sicht galten die Awaren ab 558 als Foederaten. Um 560 besiegten sie die Protobulgaren am Schwarzen Meer, zogen dann aber wegen der verfolgenden Göktürken weiter Richtung Balkan.
In den Jahren 562 und 566 kam es zu Schlachten zwischen den Awaren unter Baian und den Franken unter Sigibert I., wobei die Awaren zunächst unterlagen, dann siegten. Sigibert schloss danach einen Friedensvertrag, wodurch die Westgrenze des entstehenden Awarenreichs gesichert war. 567 zerstörten die Awaren gemeinsam mit den Langobarden das Gepidenreich im späteren Siebenbürgen und ließen sich in der Pannonischen Tiefebene nieder. Schon früh siedelten dort tributpflichtige Slawen. Ein Jahr später zogen die Langobarden unter Alboin nach Italien ab und überließen den Awaren die Herrschaft über das gesamte Karpatenbecken und den Donauraum. Diese Wanderlawine markiert das Ende der Völkerwanderungszeit und den Anbruch des Mittelalters. Das Langobardenreich blieb bis zu seinem Untergang 774 ein wichtiger Verbündeter der Awaren.
Entscheidenden Einfluss auf die Politik des Awarenreichs gewann die Übernahme des Frankenreichs durch Karl den Großen. 773/774 unterwarf er die Langobarden, wodurch die Awaren ihren besten Verbündeten verloren. 781 musste Baiernherzog Tassilo III. vor Karl den Lehenseid erneuern und Geiseln stellen, und 788 übernahm Karl endgültig auch die Macht in Baiern, sodass die Awaren an ihrer Westgrenze auf sich allein gestellt waren. Noch im selben Jahr griffen die Awaren das langobardische Friaul an, ohne Erfolg, während die Franken auf dem Ybbsfeld an der Donau unter Graman und Otakar siegten. Ein awarischer Vergeltungsschlag in Baiern scheiterte ebenfalls, danach ließen die Awaren von weiteren Angriffen ab.