Tassilo III.
Herzog von Bayern
Aufstieg und Macht
assilo war der Sohn Herzog Odilos und der fränkischen Prinzessin Hiltrud, Tochter von Karl Martell. Nach dem Tod des Vaters 748 wurde er entführt, doch 749 setzte Hausmeier Pippin den siebenjährigen Tassilo als Herzog ein. 757 übernahm er die Alleinregierung. Er nahm starken Einfluss auf das kirchliche Leben, etwa auf den Synoden von Aschheim, Dingolfing und Neuching 771, und stiftete Klöster. Durch die Heirat mit Liutberga, Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, und die Unterwerfung der Karantanen 772 erreichte er eine Machtstellung, die kein Agilolfinger vor ihm besessen hatte, mit Herrschaft über das südliche Tirol und das Bistum Säben. 772 taufte Papst Hadrian I. seinen Sohn Theodo in Rom.
Sturz und Ende
Das Bündnis mit den Langobarden brachte Tassilo in einen Konflikt mit Karl dem Großen. 774 verlor er mit der Eroberung des Langobardenreiches seinen wichtigsten Bündnispartner. 787 degradierte Karl ihn zum Lehnsmann, 788 wurde er in einem Prozess in der Ingelheimer Pfalz zum Tode verurteilt, später begnadigt und in die Abtei Jumièges verbannt. Karl der Große verbrachte 791 bis 793 zwei Winter in Regensburg, um die Einverleibung Baierns abzusichern. 794 musste Tassilo vor der Reichssynode in Frankfurt am Main erneut ein Reuebekenntnis ablegen und auf das Herzogtum verzichten. Seine Lebensdaten werden auf 741 bis zum 11. Dezember 796 geschätzt, gesichert ist dies nicht. Möglicherweise verbrachte er seine letzten Jahre im Kloster Lorsch als Mönch.
Klostergründungen
Der Legende nach gründete Tassilo um 750 das Kloster Polling und das Kloster Thierhaupten, noch unter Vormundschaft seiner Mutter Hiltrud. 769 stiftete er in einer in Bozen ausgestellten Urkunde das Stift Innichen für Abt Atto von Freising und übergab das Gebiet von Innichen im Pustertal zur Missionierung der Slawen. Weitere Gründungen folgten, darunter 772 das Stift Niedernburg in Passau, 777 Stift Kremsmünster, zwischen 777 und 784 Stift Mattsee, 782 Kloster Frauenchiemsee, um 788 Kloster Münchsmünster und 788 Stift Niedermünster.
Nachwirken
Nach Tassilo benannt wurde der 780 von ihm gestiftete Tassilokelch, ihm und seiner Familie wurde der historische Tassilopsalter gewidmet. Sein Leben wurde 1709 Gegenstand der Oper Tassilone von Agostino Steffani. Die Tassilolinde in Wessobrunn, die Tassiloquelle in Bad Hall, das 1948 gegründete Tassilo-Gymnasium Simbach am Inn, Realschulen in Erding und Dingolfing sowie Tassilostraßen in mehreren Orten tragen seinen Namen, ebenso der seit 1999 verliehene Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung. Er gilt als Seliger mit Gedenktag am 11. Dezember, ohne je offiziell heiliggesprochen worden zu sein.