Bacharach
Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Deutschland
Pfalzgrafen, Wittelsbacher und die Königswahl
ie älteste erhaltene Erwähnung von Bacharach stammt vom Beginn des 11. Jahrhunderts. Das königliche Gebiet ging wohl im 7. Jahrhundert an den Kölner Bischof Kunibert über, dessen Vögte, die Pfalzgrafen, den Kölner Einfluss zurückdrängten. Pfalzgraf Hermann von Stahleck residierte bereits auf der Burg Stahleck. Nach einer heimlichen Heirat mit den verfeindeten Welfen fiel Bacharach kurzzeitig an Heinrich von Braunschweig. 1214 wurden die Wittelsbacher Pfalzgrafen neue Herren über Bacharach und gewannen hier zusammen mit dem Unteramt Kaub ihre wichtigste Zoll- und Einnahmequelle. 1314 fiel in Bacharach der Beschluss, Ludwig den Bayern zum deutschen König zu wählen. Durch Weinumschlag und Holzhandel gewann die Stadt an Bedeutung und erhielt 1356 die Stadtrechte. Die gotische Wernerkapelle wurde um 1293 begonnen, erst nach 1426 vollendet und 1689 bei der Sprengung der Burg beschädigt.
Reformation, Krieg und Zerstörung
1545 wurden die Stadt und die Pfalz unter Pfalzgraf Friedrich II. protestantisch, erster evangelischer Pfarrer war Remigius Albulan. Im Dreißigjährigen Krieg, der 1620 mit der spanischen Besetzung durch Ambrosio Spinola begann und bis 1632 andauerte, wechselte Bacharach achtmal die Besatzung und damit die vorherrschende Religion und wurde mehrfach geplündert. Mehrere Stadtbrände sorgten zusätzlich für Zerstörung. 1689 sprengten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg schließlich Burg Stahleck und vier Türme der Stadtmauer. Bis 1802 bestand das Kapuzinerkloster St. Nikolaus in Bacharach.
Französische Herrschaft und Wiederentdeckung
1794 besetzten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer. Von 1798 bis 1814 gehörte Bacharach nach dem Frieden von Lunéville zum Département de Rhin-et-Moselle und war Hauptort eines Kantons. In der Neujahrsnacht 1813 auf 1814 zog der preußische Feldmarschall Blücher nach seinem Rheinübergang bei Kaub durch Bacharach und das Steeger Tal Richtung Frankreich. Nach dem Wiener Kongress ging die Stadt 1815 mit dem linken Rheinufer an Preußen und wurde dem Kreis Sankt Goar im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz zugeordnet. Nach der Versandung des Hafens fiel Bacharach in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst durch die Rheinromantik Ende des 18. Jahrhunderts wieder erweckt wurde. Beschreibungen von Friedrich Schlegel und Clemens Brentano lösten den frühen Rheintourismus aus, und 1840 besuchte der französische Schriftsteller Victor Hugo die Stadt.