Bad Buchau
Stadt in Deutschland
ie älteste Nachricht zum Ort findet sich in einer im Kloster Reichenau aufbewahrten Urkunde König Ludwigs II. des Deutschen vom 28. April 857, die allerdings als eine im 12. Jahrhundert im Auftrag des Stifts gefälschte Urkunde gilt. Sie enthält vermutlich einen wahren Kern und berichtet, dass Ludwig das Kloster Buchau seiner Tochter Irmengard übergeben habe. Die Frauen des Klosters lebten bis 1209 nach der Regel des heiligen Benedikt. Danach war das Stift verweltlicht, die Vorsteherin wurde selbständige Landesherrin und Fürstin, und aus dem Kloster wurde ein kaiserliches, gefürstetes und freiweltliches Damenstift.
Unabhängig vom Stift entwickelte sich die Bürgerschaft Buchaus, obwohl beide Seiten sich jahrhundertelang in gegenseitiger Abneigung begegneten. Der Ursprung der Siedlung liegt im Dunkeln, da das Rathaus 1387 oder 1412 mit 46 weiteren Gebäuden abbrannte. Selten waren auf so engem Raum zwei reichsunmittelbare Herrschaften nebeneinander installiert. Im Jahr 1014 oder 1022 wird eine Münz- und Marktstätte Buchau von St. Gallener Mönchen erwähnt. 1320 wurde Buchau Freie Reichsstadt und war unmittelbar und ausschließlich Kaiser und Reich untertan. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches blieb Buchau eine der flächenmäßig kleinsten Freien Reichsstädte, dank seiner Insellage ohne Mauern und Türme.
In der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 fielen Stadt und Stift Buchau an die Fürsten von Thurn und Taxis, als Entschädigung für links des Rheins verlorene Einkünfte aus ihrem Postmonopol. 1804 wurde ein Postdienst eingerichtet. 1808 wurde aus Stadt, Stift und weiteren Gebieten das Reichsfürstentum Buchau gegründet, das nur bis 1806 bestand, als Württemberg die Oberherrschaft übernahm. Das Gebiet wurde dem Oberamt Riedlingen zugeteilt, das 1934 in Kreis Riedlingen umbenannt und 1938 aufgelöst wurde. 1816 ersetzte der Stadtschultheiß das Bürgermeisteramt, und erstmals wurden ein Stadtrat aus 12 Mitgliedern und ein Bürgerausschuss mit Obmann gewählt.
Am 9. November 1938 wurde die Kappeler Synagoge während der Reichspogromnacht zerstört. In Buchau selbst scheiterte zunächst eine SA-Standarte aus Ochsenhausen daran, die Synagoge zu zerstören, weil Bürgermeister Hugo Öchsle die Feuerwehr befehlswidrig zum Löschen anwies. Auf Geheiß des SA-Brigadeführers aus Ulm wurde die Aktion am 11. November um 3 Uhr früh wiederholt, beteiligt waren acht bis zehn Angehörige des SA-Sturms Ochsenhausen und ein NSDAP-Trupp aus Saulgau. Die Synagoge brannte bis auf die Grundmauern nieder, diese wurden am 18. November von Ulmer Pionieren gesprengt.