Thurn und Taxis
Adelsgeschlecht
ie Brüder Janetto und Francesco dei Tasso gründeten 1490 im Auftrag Maximilians I. das europaweite Postwesen. Die Nachfahren betrieben die Kaiserliche Reichspost als erbliche Generalpostmeister von Brüssel aus, ab 1701 von Frankfurt am Main und ab 1748 von Regensburg aus. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs 1806 übernahmen einige Nachfolgestaaten die Einrichtungen gegen Abfindung, andere ließen die Familie das Unternehmen als Thurn-und-Taxis-Post bis 1867 weiterführen, bis Preußen nach dem preußisch-österreichischen Krieg die Abtretung erzwang. Die Kaiser betrauten die Familie ab 1741 auch mit politischen Aufgaben: Die 1695 gefürstete Familie stellte bis zur Auflösung des Reichs 1806 den Prinzipalkommissar beim Immerwährenden Reichstag zu Regensburg, dem sie ab 1704 als Mitglied des Reichsfürstenrats angehörte.
1618 hatte mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg begonnen. Nach dem Tod Lamorals 1624 übernahm sein Sohn Leonhard II. das Reichspostlehen, nach dessen Tod 1628 seine Witwe Alexandrine für den minderjährigen Sohn. 1630 trat Schweden unter Gustav Adolf in den Krieg ein und besetzte 1631 Frankfurt. Zwischen 1632 und 1635 verlor Gräfin Alexandrine fast alle wichtigen Poststationen im Reich, konnte jedoch gegen Kriegsende die meisten Kurse zurückgewinnen. In der Vorbereitungsphase der Friedensverhandlungen ließ sie Postkurse nach Osnabrück und Münster einrichten und verschaffte der Kaiserlichen Reichspost damit einen Vorsprung bei der Nachrichtenübermittlung für alle Parteien, was im Westfälischen Frieden 1648 seinen Abschluss fand.
Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1802/03 fielen den Fürsten Thurn und Taxis als Ausgleich für abgetretene Postlinien weitere Ländereien zu, darunter das Damenstift Buchau, die Abteien Marchtal und Neresheim sowie mehrere Klöster in der Grafschaft Friedberg-Scheer. Dadurch trugen sie künftig auch die Titel der Fürsten von Buchau und der Grafen von Marchtal und Neresheim und nahmen zwei Plätze in der Aufrufordnung für den Reichstag ein. Zudem wurde ihnen die Erhaltung der bisherigen Posten garantiert, wobei sich Preußen nicht daran hielt und die Posthoheit in den 1803 an Preußen gefallenen Gebieten übernahm.