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Bad Gandersheim

Stadt in Niedersachsen

as Stift Gandersheim wurde 852 von Sachsenherzog Liudolf, dem Namensgeber der Liudolfinger, gegründet. Es war ein Frauenstift, das seit 877 reichsunmittelbar war. Bereits früher bestand an der Stelle der heutigen Georgskirche eine Kaufmannsniederlassung. Die Stadt erlebte im 10. Jahrhundert unter den Liudolfingern eine Blütezeit, in der auch die Dichterin Roswitha von Gandersheim lebte. 990 verlieh Kaiserin Theophanu im Namen ihres unmündigen Sohnes Otto III. der Stadt das Markt-, Münz- und Zollrecht. Um 1300 wurde die herzoglich-braunschweigische Burg Gandersheim als Gegenpunkt zum Stift errichtet. 1329 kauften sich die Bürger endgültig aus ihrer Abhängigkeit vom Stift frei. Stift, Stadt und Burg waren künftig als drei Machtzentren für Gandersheim bestimmend.

1568 wurde auf Betreiben des Herzogs Julius von Braunschweig die Reformation auch für das Stift durchgeführt. Im Barock erlebte das Stift unter der Äbtissin Elisabeth von Sachsen-Meiningen, Äbtissin von 1713 bis 1766, eine weitere Blüte. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss verlor das Stift 1803 seine Unabhängigkeit und wurde 1810 nach dem Tod der letzten Äbtissin ganz aufgelöst. Das Vermögen ging an das Königreich Westphalen. Das Stift bestand zunächst als evangelisches Damenstift fort, die Territorien fielen an den Herzog von Braunschweig. Stadtbrände ereigneten sich 1580 und 1833. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu erheblichen Verwüstungen. 1833 wurde der Landkreis Gandersheim gegründet und 1977 im Wesentlichen auf die Landkreise Goslar und Northeim aufgeteilt. 1878 wurde das erste Solebad gegründet, nach dem Ersten Weltkrieg begann professionelle Fremdenverkehrswerbung, und ab 1932 durfte die Stadt sich Bad Gandersheim nennen.

1936 wurde auf dem kleinen Osterberg über der Stadt eine NSKK-Motorsportschule eröffnet, die als Vorzeigeeinrichtung ihrer Art galt. 1944 wurde im ehemaligen Kloster Brunshausen bei Gandersheim das KZ Bad Gandersheim als Außenlager des KZs Buchenwald errichtet, in dem hunderte Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Sie mussten Zwangsarbeit im zu den Heinkel-Werken gehörenden Flugzeugwerk und in einem nahegelegenen Steinbruch verrichten. Der französische Schriftsteller Robert Antelme, der dort interniert war, schildert das Leben und Sterben im Lager Gandersheim in seinem Werk Das Menschengeschlecht. Zudem existierte die Gandersheimer Flachsröste GmbH, gegründet 1935, die sich zur größten Flachsröste im Deutschen Reich entwickelte und in der NS-Kriegswirtschaft als kriegswichtiger Betrieb galt. Ab Mai 1940 wurden dort Zwangsarbeiterinnen aus Polen, Russland und der Ukraine eingesetzt.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Bad GandersheimVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269632871redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Foto: Pedelecsentstanden 2011CC BY-SA 3.0Quelle