Stift Gandersheim
Kloster in Bad Gandersheim
52 gründeten Graf Liudolf und seine Ehefrau Oda das Gandersheimer Stift. Zuvor hatte der Hildesheimer Bischof Altfrid das Paar bewogen, mit Erlaubnis König Ludwigs des Deutschen 845/46 nach Rom zu pilgern, um bei Papst Sergius II. die Erlaubnis zur Einrichtung eines Frauenstiftes einzuholen. Dort erhielten sie die Reliquien der heiligen Päpste Anastasius und Innocentius. Der Konvent siedelte zunächst im Kloster Brunshausen, geleitet von Hathumod, einer Tochter des Gründerpaares. 856 begann der Bau der Stiftskirche in Gandersheim, die 881 durch Bischof Wigbert von Hildesheim geweiht wurde. Schon 877 stellte König Ludwig der Jüngere das Stift unter den Schutz des Reichs, 919 bestätigte König Heinrich I. die Reichsunmittelbarkeit. Diese enge Bindung an das Reich verpflichtete das Stift, den König auf seinen Reisen zu beherbergen.
Die Gründung durch den Stammvater der Liudolfinger verschaffte dem Stift besondere Bedeutung auf Reichsebene. Bis zur Gründung des Stiftes Quedlinburg 936 war Gandersheim das wichtigste ottonische Familienstift und diente als eine der Grablegen der ottonischen Familie. Um 973 lebte dort die Kanonissin Hrotsvit von Gandersheim, die als erste deutsche Dichterin gilt und in den Gesta Ottonis Kaiser Otto I. verehrte. An der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert meldete der Hildesheimer Bischof im Großen Gandersheimer Streit Ansprüche auf das Stift an. Erst das Exemtionsprivileg von Papst Innozenz III. vom 22. Juni 1206 befreite das Stift endgültig davon, und die Äbtissinnen durften sich seither Reichsfürstinnen nennen. Mit dem Tod des letzten Salierkönigs 1125 nahm die Bedeutung des Stiftes ab, es geriet in Abhängigkeit von den Landesherren, besonders den Welfen, die spätestens seit den 1270er Jahren die Vogtei sicherten und Ende des 13. Jahrhunderts eine Burg in Gandersheim bauten.
1542 besetzten Truppen des Schmalkaldischen Bundes das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und führten die Reformation ein, wobei die Reformatoren die Reichsunmittelbarkeit des Stiftes ignorierten. Am 13. Juli 1543 kam es zu einem Bildersturm in der Stiftskirche. Doch Herzog Heinrich der Jüngere kehrte zurück, und das Fürstentum wechselte zurück zum katholischen Glauben. Erst 1568 wurde die Reformation unter Herzog Julius von Braunschweig endgültig eingeführt, das Stift und seine Eigenklöster Brunshausen und Clus wurden evangelisch. Weitere Streitigkeiten zwischen Äbtissin und Herzog um Einfluss wurden erst 1593 in einem Vertrag beigelegt.