Liudolfinger
sächsisches Adelsgeschlecht
Anfänge
er Zerfall des Karolingerreiches im 9. Jahrhundert führte 843 zur Ausbildung dreier Reichsteile und 870 zur Spaltung in ein west- und ein ostfränkisches Reichsgebiet. Im Herzogtum Sachsen und in anderen Teilen des Ostfränkischen Reiches kämpften die führenden Adelsfamilien um ihren Herrschaftsanspruch. Bereits Mitte des 9. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass die Liudolfinger in Sachsen zu diesen Familien gehörten. Ihr Aufstieg fällt zusammen mit dem Aufstieg des Ostfränkischen Reiches und dem Entstehen des Heiligen Römischen Reiches.
Der Frankenherzog und König des Ostfrankenreiches Konrad I. lag bereits im Sterben, als er bei seiner Familie den Verzicht auf ihren geburtsrechtlichen Anspruch auf die Königswürde erwirkte. Den ostfränkischen Stammesherzögen empfahl er, seinen mächtigsten Gegner zu wählen: den Liudolfinger Heinrich von Sachsen.
Könige und Kaiser
Die Herrscher des ostfränkisch-deutschen Reichs aus dem Geschlecht der Liudolfinger waren Heinrich I. als König von 919 bis 936, Otto I., der Große, von 936 bis 973 und ab 962 als Kaiser, Otto II. als Mitkönig 963, Mitkaiser 967 und Alleinherrscher von 973 bis 983, Otto III. von 983 bis 1002 und ab 996 als Kaiser sowie Heinrich II. von 1002 bis 1024 und ab 1014 als Kaiser.
Heinrich I.
Heinrich I. war der Sohn des sächsischen Herzogs Otto des Erlauchten und ein Enkel Liudolfs. 919 wählten ihn die fränkischen und sächsischen Großen in Fritzlar zum ostfränkischen König. Eine seiner wichtigsten Aufgaben war die Verteidigung des Reiches gegen die immer wieder angreifenden Magyaren. Diese besiegte er 933 in der Schlacht bei Riade an der Unstrut. Im selben Jahr unterwarf er die Elbslawen und Böhmen und stabilisierte das Reich nach innen.
Ein politisches Ziel Heinrichs I. war die Schaffung der Reichseinheit. Sie wollte er mit der 929 verabschiedeten Quedlinburger Hausordnung erreichen, die seinen zweiten Sohn Otto zum direkten Nachfolger bestimmte. Die anderen Söhne wurden mit der Herzogswürde abgefunden.
Otto I.
936 bestieg Otto I., auch Otto der Große genannt, den Thron. Sein Heer besiegte die Ungarn 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld vernichtend und beendete die Bedrohung aus dem Südosten. Zur Vollendung der Stabilisierung des Reiches ließ sich Otto 962 von Papst Johannes XII. zum Kaiser krönen. Gleichzeitig erneuerte er das römische Kaisertum von Karl dem Großen, bestätigte die Pippinische Schenkung durch das Privilegium Ottonianum und verheiratete seinen Sohn und Thronfolger Otto mit Theophanu, einer byzantinischen Prinzessin.
Otto II.
Bereits 961 erhob Otto I. seinen Sohn zum Mitkönig, 967 zum Mitkaiser. Als der Vater nach 37-jähriger Herrschaft starb, trat der erst 18-Jährige 973 die Alleinherrschaft an und führte die Politik seines Vaters als römisch-deutscher Kaiser fort. Otto II. erlitt jedoch schwere Niederlagen. In der Schlacht am Kap Colonna 982 gegen die sizilianischen Sarazenen entging er nur knapp dem Tod und wenige Tage später einer byzantinischen Gefangenschaft. Im Folgejahr gingen dem römisch-deutschen Reich durch den Slawenaufstand von 983 die meisten Gebiete östlich der Elbe für über 140 Jahre verloren. Als Otto II. 983 starb, war sein Sohn und designierter Nachfolger erst drei Jahre alt.
Otto III.
Der Sohn wurde als Otto III. 983 zum deutschen König gewählt. Seine Mutter Theophanu übernahm bis 991 die Regentschaft. Fünf Jahre später wurde er zum Kaiser gekrönt. Otto III. starb 1002 sehr früh und hinterließ keinen Erben.
Heinrich II.
Mit Heinrich, einem Vetter Ottos, wurde noch einmal ein Liudolfinger deutscher König. Er war der Urenkel von König Heinrich I. und bestieg 1002 als Heinrich II. den Thron. Trotz aller Widerstände wurde er 1014 zum Kaiser gekrönt. Wegen seiner vielen Stiftungen, darunter die Gründung des Bamberger Bistums, wurde er 1146 heiliggesprochen. Er starb 1024 ohne männlichen Erben, sodass die Ottonendynastie in männlicher Linie ausstarb. Mit ihm ging die Epoche der Ottonen zu Ende, die Königswürde ging an die Salier über.
Weitere bedeutende Liudolfinger
Zum Geschlecht zählen Liudolf als Herzog von Sachsen bis 866, Brun als Herzog von Sachsen 866 bis 880 und Otto der Erlauchte als Herzog von Sachsen 880 bis 912. Weiter Thankmar, Gerberga als Königin von Frankreich bis 954, Hadwig als Herzogin von Franzien bis 956, Heinrich als Herzog von Bayern 947 bis 955 und Hathwig, Äbtissin von Essen. Dazu Brun als Erzbischof von Köln 953 bis 965 und Herzog von Lothringen bis 965, Wilhelm als Erzbischof von Mainz 954 bis 968, Liudolf von Schwaben als Herzog 949 bis 953, Mathilde als Äbtissin in Essen 973 bis 1011, Mathilde als Äbtissin in Quedlinburg 966 bis 999, Heinrich der Zänker als Herzog von Bayern 955 bis 976 und 985 bis 995, Otto I. als Herzog von Schwaben 973 bis 982 und von Bayern 975 bis 982 sowie Brun von Augsburg als Bischof 1006 bis 1029. Altfrid, Bischof von Hildesheim bis 874, wird nach neueren Erkenntnissen eher den Liudgeriden zugeordnet.