Basler Kompaktaten
Abkommen zwischen dem Konzil von Basel und moderaten Hussiten
ie Hussiten verbanden kirchenreformatorische mit politischen Anliegen in Böhmen und Mähren. Ihrer Bibelauslegung nach musste die Kommunion in beiderlei Gestalt auch den Laien gereicht werden, dem sogenannten Laienkelch. Innerhalb der Bewegung gab es eine gemäßigte Strömung in den oberen und eine revolutionäre in den unteren Bevölkerungsschichten. 1420 wurden die Anliegen in den Vier Prager Artikeln formuliert. Die Utraquisten wollten ein vollständiges Abendmahl mit Kelch für Laien und Priester, freie Predigt in der Landessprache, Säkularisation des Kirchenguts, strenge Kirchenzucht und Verzicht des Klerus auf Reichtum und politischen Einfluss. Die radikalen Taboriten forderten zusätzlich Gütergemeinschaft und die Abschaffung kirchlicher Gebräuche und strebten die gewaltsame Errichtung eines Gottesreiches auf Erden an. Daraus folgten die Hussitenkriege. Auf dem Baseler Konzil kristallisierten sich als hartnäckigste Streitpunkte die Kommunion unter beiden Gestalten für Laien sowie das Kircheneigentum heraus, wobei auch die Abgrenzung von Gebieten und Personengruppen sowie der Besitz und die weltliche Herrschaft von Priestern langwierig debattiert wurden.
Die Compactata religionis waren ein Vergleich auf Basis der modifizierten Prager Artikel von 1420, der am 30. November 1433 zwischen den böhmischen Ständen und dem Konzil von Basel zustande kam. Daher werden sie Basler Kompaktaten genannt. Danach durfte das kirchliche Abendmahl in Böhmen und Mähren jedem, der es wollte, in Gestalt von Brot und Wein gereicht werden. Der Geistliche musste erläutern, dass Jesus Christus in beiden Gestalten gegenwärtig sei. Die Bestrafung von Sünden sollte nur durch den zuständigen Richter gemäß der Bibel erfolgen, nicht durch Anordnungen von Privatpersonen. Das Wort Gottes sollte frei verkündet werden, jedoch nur durch von den kirchlichen Ordinarien bestellte Priester. Die Kirche und ihre Geistlichen, ausgenommen Mönche, durften Kirchengut besitzen, dessen Aneignung durch andere als Kirchenraub verfolgt wurde.
Die Vereinbarungen wurden vom gemäßigten Flügel der Hussiten, den Utraquisten, unterschrieben, während die Taboriten nicht einverstanden waren, sodass es zum Kampf zwischen den Anhängern beider Richtungen kam. Die Kalixtiner trugen verbündet mit einem kaiserlichen Heer den militärischen Sieg in der Schlacht von Lipan am 30. Mai 1434 davon. Die am 5. Juli 1436 geschlossenen Bestimmungen beendeten die seit 1420 wütenden Hussitenkriege. Der zum Kaiser gekrönte Sigismund von Luxemburg erteilte seine Zustimmung, was nach der Verkündung der Kompaktaten in Iglau im Sommer 1436 den Weg für seine Anerkennung als König durch die böhmischen Stände ebnete. Vertragsparteien waren Kaiser Sigismund, zugleich König von Böhmen, und die Vertreter der Hussiten. Die Kompaktaten setzten einen vorläufigen Schlusspunkt unter zwanzig Jahre Auseinandersetzung zwischen den hussitischen Böhmen und der katholischen Kirche. Die mündlich und schriftlich versprochene Zusage der Konzilsdelegation wurde weder vom Plenum des Konzils noch von Papst Eugen IV. bestätigt. In Prag wurde ein Bischof aus den Reihen der Kalixtiner eingesetzt, und auch in der Moldaustadt wurde das Abendmahl mit Hostie und Weinkelch vereinheitlicht praktiziert. Sigismund wurde umgekehrt als legitimer Landesherr akzeptiert, was für ihn das Ende erfolgloser und finanziell aufwändiger Feldzüge bedeutete.