Bingen am Rhein
Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz
ereits in antiker Zeit war das Gebiet wegen der günstigen Lage am Zusammenfluss von Nahe und Rhein besiedelt. Der Ortsname ist erstmals in der Form Bingium im Werk des römischen Schriftstellers Tacitus zu Beginn des 2. Jahrhunderts bezeugt, im Zusammenhang mit dem Bataveraufstand. Vermutlich bestand bereits eine keltische Siedlung am Ort. Nach der römischen Eroberung wurden Truppen stationiert, die ein Holz-Erde-Kastell errichteten. Über die Nahe wurde eine hölzerne Brücke gebaut, deren Reste auf das Jahr 77 nach Christus datiert wurden. Bingen war Ausgangspunkt der Ausoniusstraße, einer römischen Militärstraße, die die Stadt mit Trier verband.
Nach dem Fall des Obergermanisch-Raetischen Limes wurde die Stadt im fünften Jahrhundert fränkisches Königsgut. 983 ging sie durch die Veroneser Schenkung von Otto II. an den Erzbischof Willigis von Mainz. Unter Otto III. kam der Binger Kammerforst hinzu. Unter Willigis entstand die steinerne Drususbrücke. Die Binger strebten immer wieder nach Unabhängigkeit, was 1165 bei Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Kaiser zur Zerstörung führte. Im 13. Jahrhundert war Bingen Mitglied des Rheinischen Städtebundes, und Mitte dieses Jahrhunderts entstand die Burg Klopp. Ein letzter Versuch der Unabhängigkeit war die erfolglose Teilnahme am Bauernkrieg 1525. Das Mainzer Domkapitel erwarb die Stadt vom Erzbischof 1424 und 1438 in zwei Hälften und verwaltete sie bis Ende des 18. Jahrhunderts.
Mit dem linksrheinischen Teil von Kurmainz gehörte Bingen zur kurzlebigen Mainzer Republik. Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1793 von Frankreich annektiert. Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert; ab 1798 gehörte Bingen zum Département du Mont-Tonnerre und war Hauptort des Kantons Bingen. Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen und damit Bingen zum Großherzogtum Hessen. Nach Auflösung der Kantone wurde Bingen 1835 Sitz des Kreisrates des neu errichteten Kreises Bingen.