Bistum Ratzeburg
ehemaliges römisch-katholisches Bistum in Deutschland
rzbischof Adalbert von Bremen gliederte um 1060 die Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg aus dem Bistum Oldenburg/Holstein aus. Schon 1066 fielen diese einem Aufstand der Abodriten zum Opfer. Um 1150 wollte Erzbischof Hartwig I. von Bremen die vakanten Bistümer wiederbesetzen und geriet damit in Konflikt mit Heinrich dem Löwen, der das Investiturrecht für sich beanspruchte. 1154 entschied König Friedrich I. Barbarossa auf dem Reichstag in Goslar, sein Investiturrecht für die nordelbingischen Bistümer an Heinrich den Löwen zu übertragen. Dieser setzte 1154 Evermod zum Bischof von Ratzeburg ein. Im Januar 1158 bestätigte Papst Hadrian IV. die Errichtung des Bistums. 1160 unterstellte Hartwig I. das Bistum der Metropolitangewalt der Hamburger Kirche. Der Ratzeburger Dom entstand ab 1170. Ab 1230 waren die Bischöfe auch Reichsfürsten des Hochstifts, das 1500 Teil des Niedersächsischen Reichskreises wurde.
Das Domkapitel folgte der Augustinusregel und den Besonderheiten der Prämonstratenser, was der Papst 1158 bestätigte. Es gehörte zur sächsischen Zirkarie des Prämonstratenserordens. Zunächst im St.-Georgs-Kloster ansässig, übersiedelte es 1172 an den Dom. Die Zahl der Domherren wuchs von zwölf Kanonikern bis 1231 auf 22 an, 1301 wurde die Höchstzahl auf 25 festgesetzt, wurde aber danach nie mehr als 14 bis 16 erreicht. 1372 teilte man das Vermögen des Stiftes auf. 1504 wurde das Domkapitel aufgrund der Bulle von Papst Julius II. unter Bischof Johannes von Parkentin in ein Säkularkanonikerstift umgewandelt und auf einen Propst, einen Dekan, einen Kantor und elf Kanoniker beschränkt.
Nach dem Tod des Bischofs Georg von Blumenthal 1550 versuchte Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg vergeblich, seinen Sohn Magnus zum Bischof wählen zu lassen; gewählt wurde Christoph von der Schulenburg. Daraufhin rief der Herzog den Söldnerführer Vollrad von Mansfeld ins Land, der am 23. Mai 1552 den Ratzeburger Dom plünderte. 1554 trat Bischof Christoph von der Schulenburg zurück, und das Domkapitel wählte Christoph von Mecklenburg. Drei der bis 1648 folgenden vier Administratoren stammten aus dem mecklenburgischen Herzogshaus. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde das Hochstift Ratzeburg endgültig säkularisiert und als Fürstentum Ratzeburg dem Haus Mecklenburg zugesprochen. 1701 gelangte es an das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz, das dadurch Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat erhielt.