Brügge
Stadt in Westflandern, Belgien
ber den 1134 entstandenen Seearm Zwin und die kanalisierte Reie war Brügge im Mittelalter direkt mit dem Meer verbunden und konnte am Fernhandel teilnehmen. Um 1200 fand dort die erste Handelsmesse statt. Gehandelt wurden Wolle aus England, Gewürze und Brokat aus Italien, Pelze und Hölzer aus Russland, Lammfelle aus Spanien, Wein aus Frankreich und Gobelins aus Flandern. Auch Kaufleute aus den rheinischen Städten und aus den Hansestädten Lübeck und Hamburg kamen nach Brügge. Die Hanse errichtete dort neben dem Stahlhof in London und der Bryggen in Bergen ein Hansekontor und war so mit Märkten außerhalb ihres eigentlichen Wirtschaftsraumes verbunden. Brügge entwickelte sich zu einem wichtigen Stapelmarkt.
Unter der Herrschaft der Herzöge von Burgund entwickelte sich Brügge wirtschaftlich und kulturell zu einer der reichsten Städte Europas. Im dicht besiedelten und urbanisierten Flandern wurde die Politik von den Städten dominiert, während in anderen Territorien Burgunds der Adel bestimmend war. Am Hof und im Süden Burgunds wurde Französisch gesprochen, im Norden weiterhin Niederländisch. Die Herzöge und ihr Hof reisten in ihrem Herrschaftsgebiet umher und waren an keinen festen Ort gebunden, residierten während ihrer Aufenthalte in Brügge jedoch im Prinzenhof. Zählte der Hof 1426 noch 230 Personen, stieg deren Zahl bis 1474 auf etwa 600 Personen, die zahlreichen Leibbogener nicht eingerechnet. Der Hofstaat repräsentierte den jeweiligen Herzog; Feste, Ritterturniere, Einzüge in Städte und Totenkult demonstrierten dessen Rang, Macht, Reichtum und Verdienste.
Nach dem Tod Karls des Kühnen in der Schlacht von Nancy 1477 zerfiel das Herzogtum Burgund im Kampf um das Burgundische Erbe zwischen Maximilian von Habsburg und Frankreich. Noch 1477 heiratete die Erbtochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, den Sohn des römisch-deutschen Kaisers Friedrich III., Maximilian, mit dem sie bereits seit 1475 verlobt war, und lehnte die von Ludwig XI. angebotene Ehe mit dessen siebenjährigem Sohn Karl ab. Maximilian wurde durch diese Heirat Herzog von Burgund und Herrscher über Flandern, das so Teil des habsburgischen Hausbesitzes wurde. Im Burgundischen Erbfolgekrieg von 1477 bis 1493 war es sein erklärtes Ziel, das von Frankreich besetzte Herzogtum zurückzuerobern und seine Herrschaft in den burgundischen Niederlanden zu sichern. Nach einem Reitunfall bei einer Falkenjagd nahe Brügge starb Maria am 27. März 1482 an ihren Verletzungen; fünfzehntausend Menschen sollen ihr bei der Beisetzung in der Liebfrauenkirche von Brügge die letzte Ehre erwiesen haben.