Cambrai
französische Gemeinde an der Schelde im Departement Nord
Merowingische und karolingische Herrschaft
ach Chlodwigs Tod im Jahr 511 kam Cambrai an Chlothar I., später fand hier Chilperich I. Zuflucht vor seinen Brüdern. Die Stadt wurde Bischofssitz, erster Bischof war wohl Gaugerich. 680 nahm Hausmeier Ebroin die Stadt ein, doch Pippin der Mittlere gewann sie zurück. Nach dem Tod Ludwigs des Frommen 843 fiel Cambrai durch den Vertrag von Verdun an Kaiser Lothar, 870 durch den Vertrag von Meerssen an Karl den Kahlen. 880 wurde die Stadt von den Normannen erobert und verbrannt und kam als Teil des Herzogtums Lothringen zum Ostfrankenreich. Bischof Dodilo ließ danach einen Mauerring errichten, dennoch wurde Cambrai 954 von den Ungarn geplündert.
Grafen von Cambrai
Seit 926 gehörte Cambrai bis 1677 zum Heiligen Römischen Reich und lag an der Grenze zu Frankreich. Stadt und Gebiet, das Cambrésis, waren Ende des 9. Jahrhunderts eine Grafschaft geworden, deren erster Graf Isaak genannt wird. Er stritt sich ständig mit Bischof Fulbert um die Herrschaftsrechte. 948 verlieh Otto I. der Große dem Bischof die gräfliche Macht über die Stadt. Mit Arnulf II. starben die Grafen von Cambrai 1012 aus; bereits 1007 hatte König Heinrich II. die gesamte Grafschaft den Bischöfen übertragen, die damit weltliche und geistliche Herrschaft ausübten und deutsche Reichsfürsten waren. Die Kastellane, anfangs unter bischöflicher Kontrolle, gewannen im 11. Jahrhundert als Herren von Oisy eigene Macht.
Bürgererhebungen gegen die Bischöfe
Seit dem 10. Jahrhundert erhoben sich die Bürger Cambrais mehrfach gegen ihre Bischöfe. Beim Aufstand von 1077 musste der Bischof fliehen und den Bürgern vorübergehend eine kommunale Verwaltung zugestehen. Kaiser Friedrich Barbarossa bestätigte 1182 in einer Charta solche Rechte und söhnte Bürger und Bischof aus. Bischof Jean de Béthune erreichte, dass König Otto IV. diese Privilegien wieder aufhob, wurde aber selbst verjagt. Über die Bürger wurde 1209 die Exkommunikation und Reichsacht verhängt. König Friedrich II. brachte 1214 die alten Privilegien kurz wieder zur Geltung, machte dies aber im Folgejahr rückgängig. 1227 mussten die Bürger endgültig auf ihre kommunalen Rechte verzichten, wobei ein Gesetz Bischof Godfrois ihnen einige Freiheiten beließ.
16. bis 19. Jahrhundert
Wegen seiner Neutralität und Grenzlage zwischen Frankreich und dem Habsburgerreich wurde Cambrai, dessen Grafschaft 1510 zum Herzogtum erhoben wurde, Schauplatz internationaler Verhandlungen. 1508 schlossen sich hier Ludwig XII., Kaiser Maximilian I., Ferdinand der Katholische, Heinrich VIII. und Papst Julius II. zur Liga von Cambrai zusammen. Mit dem Damenfrieden von Cambrai am 5. August 1529 endete der Krieg zwischen Franz I. und Kaiser Karl V., der 1543 die beschränkte Unabhängigkeit der Stadt beendete und sie in seine Besitzungen einverleibte. 1559 wurde das Bistum Cambrai zum Erzbistum erhoben. Nach mehreren erfolglosen Belagerungen wurde die Stadt 1677 den Spaniern von Ludwig XIV. abgenommen und im Frieden von Nimwegen formell an Frankreich abgetreten.