Carl Loewe
deutscher Komponist
arl Loewe wurde als zwölftes Kind des Kantors Andreas Loewe und dessen Frau Marie in Löbejün im Herzogtum Magdeburg geboren. Während des Königreichs Westphalen wechselte er dank eines Stipendiums des Königs Jérôme Bonaparte auf die Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle, wo er Kompositionsunterricht bei Daniel Gottlob Türk erhielt und im Stadtsingechor sang. 1817 wurde er Mitglied der Burschenschaft Teutonia Halle und studierte Evangelische Theologie an der Friedrichs-Universität Halle. In dieser Zeit entstanden fast fünfzig Kompositionen, darunter die Balladen Erlkönig und Edward. 1820 ließ er sich in Berlin von Carl Friedrich Zelter prüfen und wurde daraufhin Kantor und Organist an der Jakobikirche in Stettin, wo er 46 Jahre wirkte, unter anderem als Gymnasiallehrer und städtischer Musikdirektor.
In Stettin nahm Loewe regen Anteil am kulturellen Leben und gehörte dem Kreis um die Salonnière Sophie Auguste Tilebein an, wo er der im Exil lebenden Prinzessin Elisabeth und dem Buchhändler Léon Saunier begegnete. Er gründete den Pommerschen Chorverband und veranstaltete bis 1857 zahlreiche Musikfeste. Eng befreundet war er mit dem Mathematiker Justus Günther Graßmann, dessen Sohn Hermann und dem Dichter Ludwig Giesebrecht. 1829 wurde er Freimaurer in der Loge Zu den drei Zirkeln in Stettin. 1832 wurde er Ehrendoktor der Universität Greifswald und 1837 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Nach einem Schlaganfall 1864 musste er 1866 auf Aufforderung des Stettiner Magistrats seinen Abschied nehmen und verbrachte seine letzten Jahre in Kiel bei seiner Tochter Julie. Sein Grabmal liegt auf dem Parkfriedhof Eichhof bei Kiel, sein Herz wurde in der Jakobikirche in Stettin beigesetzt.
Carl Loewe machte die Ballade als erweiterte Form des Sololiedes im 19. Jahrhundert bekannt, sowohl als Komponist als auch als Sänger. Sechs Jahre vor Robert Schumann vertonte er 1834 den Gedichtzyklus Frauenliebe und -leben von Adelbert von Chamisso. In seinen Balladen zeigte sich seine Fähigkeit zu anschaulicher Schilderung und bildhafter Tonmalerei. Seine Themenvielfalt reichte von Historie, Sage und Märchen bis zu Alltags- und Genrebildern, Idyllen und moralischen Fabeln. Mit seiner Tenorstimme galt er als eloquenter, intensiver Vortragskünstler.