Chiavenna
italienische Gemeinde im Veltlin
Von Rom bis zur Reichsreform
ur Römerzeit hieß der Ort Clavenna und wurde 16 vor Christus von Augustus’ Truppen erobert. Von dort bauten die Römer zwei Straßen über die Alpen, über den Splügen- und den Septimerpass, nach Chur. Bis in die Spätantike gehörte Chiavenna zur Provinz Gallia Transpadana, dann wurde sie im Rahmen der Reichsreform von Diokletian nach 295 n. Chr. der Provinz Liguria et Aemilia zugeteilt. Wie die benachbarte Provinz Raetia blieb sie Teil der Dioecesis Italiae bzw. der Dioecesis Italiae Annonariae.
Zwischen Bistümern und Reich
Nach dem Ende des Römischen Reiches wurde Chiavenna zusammen mit dem Veltlin und Rätien Teil des Reiches der Ostgoten, nach 552 übernahm das Oströmische Reich die Herrschaft, die erst im 7. Jahrhundert durch die Langobarden beendet wurde. In den 770er Jahren fiel die Region ans Frankenreich. Der ostfränkische König Otto I. zog um 960 die Grenze zwischen dem Bistum Como und dem Bistum Chur bei Villa di Chiavenna und hielt sich wahrscheinlich selbst 961 in der Stadt auf, als er über den Septimerpass nach Rom zur Kaiserkrönung zog. 1030 erhielt Chiavenna vom Bischof von Como das Stadtrecht. Im Streit zwischen den Konsuln von Chiavenna und dem Bischof entschied Kaiser Friedrich I. am Ulmer Hoftag 1157, dass Chiavenna ein Reichslehen sei und dem Herzogtum Schwaben unterstehe. 1176 soll hier der angebliche Kniefall von Kaiser Friedrich I. vor seinem Vetter Heinrich dem Löwen stattgefunden haben. Bis über die Stauferzeit hinaus war der Ort Bestandteil des Herzogtums Schwaben. 1335 ging das Veltlin an die Visconti in Mailand über, die den Contado von Chiavenna vom Churer Bischof erwarben. 1512 bis 1531 gelang den Drei Bünden unter Conrad von Planta die Eroberung von Cläven zusammen mit Bormio und dem Veltlin als gemeinsames Untertanengebiet.
Glaubensstreit und Gegenreformation
Ab 1542 bildete sich in Chiavenna eine evangelische Gemeinde unter dem Lehrer Francesco Negri und dem aus Mailand geflüchteten Theologen Agostino Mainardi, der in engem Kontakt mit dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger stand und unter dem Schutz der Herren von Salis stand. Viele von der katholischen Inquisition verfolgte evangelische Glaubensflüchtlinge aus Italien kamen ins Veltlin, weil hier seit 1526 die Religionsfreiheit galt. Zu den Flüchtlingen gehörten auch Rationalisten, Unitarier und Täufer, was zu Auseinandersetzungen und Spaltungen führte. Nach dem Ilanzer Edikt von 1557 wurde in drei Kirchen der Stadt der reformierte Gottesdienst eingeführt. Seit dem Veltliner Mord von 1620 an Protestanten konnten sich die Katholiken im Rahmen der Gegenreformation wieder durchsetzen, und ab 1639 war Nichtkatholiken der Aufenthalt in Chiavenna nicht mehr gestattet.