Confessio Augustana
Bekenntnisschrift der lutherischen Reichsstände von 1530
Entstehung und Übergabe
ie Confessio Augustana entstand als Antwort auf das Ausschreiben zum Augsburger Reichstag von 1530, mit dem Kaiser Karl V. alt- und neugläubige Reichsstände aufforderte, ihre Positionen darzulegen. Philipp Melanchthon verfasste den Text mit Mitarbeitern in lateinischer und frühneuhochdeutscher Fassung; das Vorwort wurde deutsch geschrieben und ins Lateinische übersetzt. Am 25. Juni 1530 übergaben Kurfürst Johann von Sachsen und weitere neugläubige Reichsstände die Schrift als ihr Bekenntnis an den Kaiser.
Reaktion des Kaisers und Zielsetzung
Karl V. ließ eine Entgegnung, die Confutatio, von altgläubigen Theologen verfassen und verlesen. Die neugläubigen Reichsstände sollten diese Widerlegung anerkennen, andernfalls drohte die Vollziehung des Wormser Edikts. Die Confessio Augustana warb um kaiserliche Akzeptanz der bereits vorgenommenen Änderungen des kirchlichen Lebens und stellte die eigene Lehre als Fortführung der lateinisch-westkirchlichen Tradition dar. Zugleich distanzierte sich Melanchthon scharf von anderen reformatorischen Bewegungen wie den Täufern und Ulrich Zwingli. Das eigentliche Ziel, den Kaiser für die Änderungen zu gewinnen, wurde nicht erreicht.
Wirkung und weitere Rezeption
Die Confessio Augustana wurde zur Lehrgrundlage des Schmalkaldischen Bundes unter Führung von Hessen und Kursachsen und dominierte in dieser Funktion die Wittenberger Theologie im Protestantismus des Reichs, während Zwinglis Einfluss auf die Schweiz begrenzt blieb. Durch das gleichzeitige Bestehen zweier nicht identischer Sprachversionen und spätere Fortschreibungen entstand eine textliche Unschärfe. 1555 wurde den Bekennern der Confessio Augustana im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden Toleranz zugesichert. Um als Augsburger Religionsverwandte diesen Schutz zu genießen, nahmen auch reformierte oder calvinistische Landesherren die Schrift an, was durch die dem reformierten Abendmahlsverständnis entgegenkommende lateinische Fassung von 1540/42 möglich wurde.
Einordnung in die kirchliche Tradition
Bekenntnistexte gewannen Ende der 1520er Jahre an Bedeutung, als Reformatoren und ihre Unterstützer aus der bisherigen Kirchenorganisation heraustraten und eigene Kirchentümer aufbauten. Die Amtskirche sah ihre Kontinuität durch die Abfolge der Päpste als Nachfolger Petri gewahrt, während sich die Reformatoren in der Nachfolge der apostolischen Lehre sahen. Die Confessio Augustana gibt sich deshalb traditionell, weil sie zeigen will, dass ihre Bekenner die authentische alte kirchliche Tradition fortführen. Dieses Traditionserbe war auch bei dem Griechischprofessor Melanchthon als Hauptautor ganz lateinisch-westkirchlich geprägt.
Zwei Sprachversionen für zwei Adressaten
Die Confessio Augustana wurde in zwei Sprachversionen überreicht. Die deutsche Fassung richtete sich an die in Augsburg versammelten Reichsstände, die lateinische an den Kaiser und seinen Beraterstab, in dem viele kein Deutsch, aber alle Latein beherrschten. Karl V. selbst war in einem burgundisch-romanischen Umfeld aufgewachsen, sprach Französisch und verstand Latein schriftlich wie mündlich. Melanchthon als Hauptverfasser warb mit dem Text um Zustimmung zu den reformatorischen Veränderungen, die die Unterzeichner bereits durchgeführt hatten.