Deutscher Dualismus
Zusammenarbeit und Rivalität zwischen Österreich und Preußen bis zum Deutschen Krieg 1866
urfürst Friedrich III. von Brandenburg krönte sich 1701 mit Billigung des Kaisers in Königsberg, der Hauptstadt des souveränen Herzogtums Preußen, zu dessen König. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I. baute eine schlagkräftige Armee auf, die dessen Sohn Friedrich II. wiederum nutzte, um seine teils innerhalb, teils außerhalb der Reichsgrenzen liegenden Territorien erheblich zu vergrößern und Preußen als fünfte europäische Großmacht zu etablieren. 1740 eroberte er das bis dahin österreichische Schlesien und behauptete seine Eroberung im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763.
Nachdem Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 gestorben war und ein männlicher Nachkomme in der habsburgischen Familie fehlte, trat Maria Theresia gemäß der Pragmatischen Sanktion von 1713 die Nachfolge als Herrscherin über die habsburgischen Territorien an. Nicht alle europäischen Fürsten erkannten die Pragmatische Sanktion an, so auch Friedrich II. von Preußen. Als Gegenleistung für die Anerkennung forderte er Schlesien von Österreich. Am 11. Dezember 1740 stellte er Maria Theresia diesbezüglich ein Ultimatum.
Ohne die Antwort auf das Ultimatum abzuwarten, marschierte Preußen am 16. Dezember 1740 in Schlesien ein und löste so den Ersten Schlesischen Krieg und den Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Im Frieden von Berlin fielen Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz an Preußen. 1745 kam es zum Frieden von Dresden, in dem die Bestimmungen des Friedens von Berlin noch einmal bestätigt wurden. Friedrich II. erkannte im Gegenzug Franz Stephan, den Ehemann Maria Theresias, als römisch-deutschen Kaiser an.
Das protestantische und aufgeklärte Preußen stand zu dem katholischen und absolutistischen Österreich in Opposition. In Österreich herrschte Joseph II. nach dem Prinzip des aufgeklärten Absolutismus. Im Gegensatz zu dieser feudalen Ordnung Österreichs war Preußen ein Verfassungsstaat moderner Prägung.