Drittes Deutschland
Bündnispolitik deutscher Mittel- und Kleinstaaten im 19. Jahrhundert
Wie das Dritte Deutschland entstand
rsache für die Idee eines Dritten Deutschland war der preußisch-österreichische Dualismus des 18. Jahrhunderts und die Furcht kleinerer Reichsstände, zur Verfügungsmasse der Großmächte zu werden. Voraussetzung für handlungsfähige mittlere Staaten war die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches zwischen 1803 und 1806. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 brachte Säkularisation und Mediatisierung der meisten kleineren Reichsstände, deren Gebiete an größere Länder fielen. Auch im Zuge des Rheinbundes wurden weitere kleinere Herrschaften mediatisiert; mit dessen Gründung endete das Heilige Römische Reich, und die verbleibenden Staaten wurden offiziell souverän. Nach dem Wiener Kongress gewannen die Ideen vom Dritten Deutschland an Gewicht. Zum Kern zählten die vergrößerten Mittelstaaten Baden, Bayern und Württemberg sowie das geschwächte Sachsen. Badens Fläche hatte sich zwischen 1802 und 1810 etwa vervierfacht, Württembergs verdoppelt, und ihre konstitutionellen Verfassungen unterschieden sie deutlich von den verfassungslosen Großstaaten Österreich und Preußen.
Zollpolitik und erste Trias-Versuche
Während des Deutschen Bundes gab es mehrfach Phasen engerer Zusammenarbeit, die als Trias bezeichnet wurden. Zunächst war Württemberg unter Karl August von Wangenheim treibende Kraft. Nach dem preußischen Zollgesetz von 1818 fürchteten Nachbarstaaten, sich dem preußischen Zollgebiet anschließen zu müssen. Bayern regte einen süddeutschen Zollverein an, und es kam zu einem Zollvorvertrag zwischen Bayern, Baden, Württemberg, Hessen-Darmstadt und den thüringischen Staaten, unterstützt auch von Frankreich als politisches Gegengewicht. Das Vorhaben scheiterte jedoch an der Furcht vor bayerischer Übermacht und unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Interessen, da Baden Freihandel wollte und Bayern Zollschranken bevorzugte. Am Ende schlossen sich nur Bayern und Württemberg zu einem Zollverein zusammen.
Trias nach der Revolution
Nach der Revolution von 1848/49 erlebte die Triasidee eine neue Phase, gerichtet gegen Preußens kleindeutsche Unionspläne und gegen Österreichs Forderung nach bloßer Reaktivierung des Deutschen Bundes. Anhänger fand sie vor allem in Hannover, Bayern und Württemberg, programmatisch angetrieben von Friedrich Ferdinand von Beust. Im Februar 1850 schlossen Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg das Vierkönigsbündnis und forderten eine reformierte Bundesregierung mit Volksvertretung. Joseph von Radowitz setzte sich mit seinen Unionsplänen durch, scheiterte aber am Widerstand der Mittelstaaten, sodass es 1851 nur zur Wiederherstellung des Bundes kam. 1854 koordinierten die Mittelstaaten auf der Bamberger Konferenz ihre Außenpolitik, 1859 folgte die Würzburger Konferenz unter von Beust und Ludwig von der Pfordten. Ein weiterer Versuch von Beusts 1861 sowie später das im Prager Frieden zugestandene Recht der süddeutschen Staaten auf einen Südbund scheiterten ebenfalls.