Eresburg
sächsische Fliehburg bei Obermarsberg im Sauerland
uf dem Eresberg fanden sich Spuren menschlicher Anwesenheit seit vorgeschichtlicher Zeit, darunter Keramikreste der Michelsberger Kultur. Ausgrabungen nahe der heutigen Stiftskirche zeigten Gräben, Wälle und Pfosten, deren Holz radiokohlenstoffdatiert zwischen 420 und 370 v. Chr. gewachsen war. Die ältere Forschung sah in der Eresburg eine Grenzburg der Cherusker und Festung des Segestes, wo dieser seine Tochter Thusnelda gefangen gehalten haben soll; Belege dafür fehlen. Im Zuge der Sachsenkriege eroberte Frankenkönig Karl der Große den Berg 772 und ließ die dort oder in der Nähe befindliche Irminsul zerstören. 779 beauftragte er den Fuldaer Abt Sturmius mit der Mission in diesem Raum und wies ihm den Ort zu. 784/785 überwinterte Karl der Große auf der Eresburg und ließ dort eine Kirche errichten. Papst Leo III. soll 799 auf dem Weg nach Paderborn die Eresburg besucht haben.
915 kam es bei der Eresburg zu einer blutigen Fehde zwischen dem sächsischen Herzog Heinrich und dem ostfränkischen König Konrad, an der auch der Paderborner Bischof Theoderich kämpfend beteiligt gewesen sein soll. Im Juli 938 belagerte ein Heer Ottos I. die Burg, weil sich dort der aufständische Thankmar, sein älterer Halbbruder, verschanzt hatte. Am 28. Juli öffnete die Besatzung aus Furcht vor der Übermacht die Tore, konnte einer Plünderung aber nicht entgehen. Thankmar floh in die von Papst Leo geweihte Peterskirche und ergab sich, indem er sein Schwert auf den Altar legte. Dennoch wurde er angegriffen und von Maincia, einem Dienstmann seines anderen Halbbruders Heinrich, hinterrücks erstochen. König Otto bedauerte den Vorfall, ließ ihn aber ungesühnt; die Gefolgsleute Thankmars wurden zum Galgen verurteilt. An der Stiftskirche des ehemaligen Klosters Obermarsberg erinnert bis heute ein gekrönter Kopf an einem Pfeiler an das Geschehen.
Bei der Eresburg befand sich möglicherweise die Irminsul, eines der höchsten Heiligtümer der Sachsen. Die Annales regni Francorum zum Jahr 772 legen nahe, dass sich die Irminsul auf der Eresburg oder in deren Nähe befunden haben könnte. Die Annales Petaviani berichten, Karl habe die Eresburg erobert und sei dann an den Ort gelangt, der Ermensul genannt wird, und habe diese Orte in Brand gesetzt. Der Verfasser bezeichnete die Eresburg als „Erisburgo“, nicht als Ermensula, und sprach im Plural von den in Brand gesetzten Orten, sodass Karl von der Eresburg aus weiterzog. Laut anderen Quellen lagerte er zunächst am Bullerborn, einer intermittierenden Quelle bei Altenbeken, bevor er an den folgenden Tagen das Irminsul-Heiligtum eroberte und zerstörte. Die Frage nach dem genauen Standort der Irminsul bleibt jedoch möglicherweise irreführend, da es mehrere solcher Heiligtümer gegeben haben könnte.