Ferdinand I. (HRR)
Habsburgischer Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und König von Böhmen und Ungarn
Herkunft und Jugend
erdinand war das vierte Kind und der zweite Sohn Philipps I. und Johannas von Kastilien. Seine Großeltern waren Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragonien sowie Maria von Burgund und Maximilian I. Sein Bruder war Karl V. Weil die Seereise in die burgundischen Niederlande für das Kind zu gefährlich schien, ließ Johanna ihn bei den Großeltern zurück. Königin Isabella richtete ihm einen eigenen Hofstaat ein. Ferdinand II. hielt seinen Enkel Ferdinand für geeigneter, die spanischen Reiche zu regieren, als Karl, weil er in Kastilien aufgewachsen war und Recht und Gepflogenheiten kannte. Im letzten Testament vom 22. Januar 1516 fehlte diese Regelung. Im Februar 1518 traf Ferdinand in Valladolid zum ersten Mal seinen Bruder; Karl veranlasste, dass er nach Mecheln reiste.
Die Teilung des Erbes
Nach dem Tod Maximilians am 12. Januar 1519 fiel das Erbe an die Enkel Karl und Ferdinand. Karl legte die Lage so aus, dass die Teilung nur den österreichischen Besitz betreffe. Ferdinand stimmte im Wormser Teilungsvertrag am 21. April 1521 zu. Nach dem Widerspruch verschiedener Stände kam es am 7. Februar 1522 zum Brüsseler Vertrag. Ferdinand erhielt die niederösterreichischen Länder einschließlich der innerösterreichischen sowie die oberösterreichischen Länder mit Tirol und den Vorlanden. Zugleich übernahm er die Hälfte der Schulden Maximilians und wurde Vertreter Karls bei dessen Abwesenheit. Karl sagte zu, die Wahl Ferdinands zum römischen König zu betreiben. Der Brüsseler Vertrag war eine der Ursachen für die Teilung des Hauses Habsburg in eine spanische und eine österreichische Linie.
Am 26. Mai 1521 fand in Linz die Hochzeit mit Anna von Böhmen und Ungarn statt, eine Verbindung, die Maximilian mit König Wladislaw II. vertraglich beschlossen hatte. Die Erblande waren nach Maximilians Herrschaft faktisch bankrott. Generalschatzmeister Gabriel von Salamanca betrieb eine entschlossene Entschuldung; seine hohen Abgaben machten ihn verhasst. Die Untertanen standen dem Fremden Ferdinand misstrauisch gegenüber, der die deutsche Landessprache nicht beherrschte. Unter Führung des Wiener Bürgermeisters Martin Siebenbürger hatten die Stände ein neues Regiment eingesetzt. Ferdinand lud im Juni 1522 die Vertreter vor ein Gericht in Wiener Neustadt; Siebenbürger und sieben weitere Angeklagte wurden hingerichtet. Wien verlor zahlreiche alte Privilegien. 1526 erließ Ferdinand eine neue Stadtordnung, die die kommunale der landesfürstlichen Verwaltung unterordnete.
Der Aufbau der Behörden
In der Verwaltung setzte Ferdinand die von Maximilian eingeleitete Zentralisierung fort. 1523 entstanden ein niederösterreichischer und ein oberösterreichischer Hofrat. Seit 1527 gab es vier zentrale Instanzen: den geheimen Rat, den Hofrat, die Hofkammer und die Hofkanzlei. Diese Hofstaatsordnung war die Basis der bis ins 18. und teilweise bis ins 19. Jahrhundert fortwirkenden Staatsorganisation. 1556 kam der Hofkriegsrat hinzu. Der Rezess von Wien vom 25. Oktober 1535 beendete einen jahrhundertelangen Streit über die Besitzungen des Fürsterzbistums Salzburg in der Steiermark. Seit den 1530er Jahren wurde Wien Ferdinands bevorzugte Residenz neben Innsbruck und Sitz von Hofkammer, Hofkanzlei und Hofrat. Zunächst stützte sich Ferdinand auf Landfremde, später gewannen einheimische Familien wieder Einfluss.
Böhmen und die ungarische Wahl
König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn fiel am 29. August 1526 in der Schlacht von Mohács. Durch seine Heirat mit Anna hatte Ferdinand Anspruch auf die Nachfolge, doch beide Länder waren Wahlmonarchien. Nach harten Verhandlungen und der Bestätigung der ständischen Rechte wurde Ferdinand am 22. Oktober 1526 auf der Prager Burg zum König von Böhmen gewählt und am 24. Februar 1527 gekrönt. Damit fiel die böhmische Kurwürde an das Haus Habsburg; auch Mähren, Schlesien und die beiden Lausitzen kamen unter seine Regierung. In Ungarn wählte die Mehrheit der Stände Johann Zápolya. Die Gegner wählten am 17. Dezember 1526 in Pressburg Ferdinand. 1527 gelang es ihm, den Konkurrenten militärisch zu besiegen.
Zápolya stellte sich unter türkischen Schutz. 1529 marschierte Sultan Süleyman mit einer großen Armee in Ungarn ein und rückte bis Wien vor. Die Stadt wurde von etwa 18.000 Mann verteidigt; am 14. Oktober 1529 zogen sich die Osmanen ohne Erfolg zurück. Ferdinand konnte nur einen kleinen Teil Ungarns behaupten und schloss 1533 einen Waffenstillstand. Das Land blieb für die nächsten Jahrhunderte faktisch geteilt: Ferdinand beherrschte das nordwestliche Ungarn mit der Hauptstadt Pressburg, die Osmanen das mittlere Ungarn mit Buda, im Osten hielten sich die Nachfolger Zápolyas. Der Friede von 1562 brachte nur geringe Gebietsverluste, doch mussten jährlich 30.000 fl. Tribut gezahlt werden, und Ferdinand verzichtete auf Siebenbürgen.
Reformation, Täufer und Bauernkrieg
Als kaiserlicher Stellvertreter leitete Ferdinand drei Reichstage in Nürnberg von 1522 bis 1524 und zwei in Speyer 1526 und 1529. Er war ein eifriger Katholik, erkannte aber früh die Unmöglichkeit, den Protestantismus zu unterdrücken, und verfolgte eine Politik der Kompromisse. Mit der Berufung der Jesuiten schuf er eine Grundlage für die spätere Gegenreformation. Gegen die Täufer betrieb er einen Vernichtungsfeldzug; 1528 wurde Balthasar Hubmaier in Wien verbrannt, 1536 Jakob Hutter in Innsbruck. Etwa 600 Täufer wurden in den Jahren um 1530 getötet. Beim deutschen Bauernkrieg spielte Ferdinand keine zentrale Rolle, doch erfassten die Unruhen unter Michael Gaismair weite Teile Tirols. Der Aufstand der Südtiroler wurde von seinen Truppen niedergeschlagen.
Die Wahl zum römischen König
Auf dem Reichstag von Augsburg 1530 war Ferdinand an dem gescheiterten Versuch beteiligt, in der Religionsfrage einen Ausgleich zu finden, nachdem die Confessio Augustana vorgetragen worden war. Am 5. Januar 1531 wählten ihn die Kurfürsten in Köln mit fünf Stimmen gegen den Protest des sächsischen Kurfürsten Johann zum König. Erzbischof Hermann V. von Wied salbte und krönte ihn in Aachen. Ferdinand war der letzte in Aachen gekrönte Herrscher des Reiches. 1532 kam auf sein Drängen der Nürnberger Anstand zustande, bei dem die Protestanten erstmals eine gewisse Anerkennung erfuhren. Im Schmalkaldischen Krieg stand Ferdinand auf Seiten des Kaisers. Nach dem Sieg bei Mühlberg 1547 besiegte er auch die Opposition in Böhmen.
Streit um die Nachfolge und Passau
Das Verhältnis zum Bruder wurde problematisch, als dieser seinem Sohn Philipp die Nachfolge im Reich verschaffen wollte. Ferdinand war nicht bereit, Philipp zu akzeptieren, und setzte die Teilnahme seines Sohnes Maximilian an den Verhandlungen durch. Der Plan scheiterte an den Kurfürsten, die im Hintergrund die Gefahr einer Erbmonarchie sahen. Der Streit führte zur Entfremdung zwischen Karl und Ferdinand. Als es 1552 zum Fürstenaufstand kam, verdächtigte der Kaiser seinen Bruder zeitweise eines heimlichen Einverständnisses mit den Gegnern. In Passau trat Ferdinand neben den Fürsten unter Moritz von Sachsen und den kaiserlichen Kommissaren als dritte Partei auf. Er und die katholischen Reichsstände sagten zu, die Augsburger Konfession auf unbegrenzte Zeit anzuerkennen. Der Passauer Vertrag beendete den Konflikt.
Der Augsburger Religionsfriede
Der Reichstag fand vom 5. Februar bis zum 25. September 1555 in Augsburg statt. Ferdinand wollte den Passauer Vertrag als Basis nutzen, Karl lehnte die Berufung darauf ab, übertrug aber die Leitung des Reichstages. Damit war Ferdinand die entscheidende Person. Die Reichsstände erzwangen, dass die Religionsfrage an die Spitze der Tagesordnung kam. Ferdinand fügte Punkte ein, die die katholische Position stärkten: den Geistlichen Vorbehalt, der den Fortbestand der geistlichen Fürstentümer sicherte, und die Declaratio Ferdinandea für Untertanen in geistlichen Gebieten. Am Ende stand der Augsburger Religionsfrieden. Die Lutheraner waren als Konfession anerkannt, die Fürsten konnten die Konfession für ihr Land wählen. Noch während des Reichstages kündigte Karl V. seinen Rücktritt an.
Kaiser ohne Krönung durch den Papst
Im Juni 1556 schloss Ferdinand mit Bayern, dem Erzstift Salzburg und Augsburg den Landsberger Bund. Karl V. ermächtigte ihn am 8. August 1556, die Verhandlungen mit den Kurfürsten nach eigenem Ermessen zu führen; damit ging die kaiserliche Gewalt de facto auf Ferdinand über. Am 26. Februar 1558 proklamierten die Kurfürsten auf dem Frankfurter Kurfürstentag trotz Einspruchs von Papst Paul IV. Ferdinand zum Kaiser. Er nannte sich nunmehr Erwählter Römischer Kaiser. Das Ende der Universalmonarchie schwächte das Reich, während Spanien die überragende Macht wurde. Der Hofrat wurde zum Reichshofrat umgeformt, der 1559 geschaffen wurde und für zweihundert Jahre die Grundlage dieser kaiserlichen Institution legte. Sein Ziel, die Kirchenspaltung zu überwinden, erreichte Ferdinand nicht.
Die Ferdinandeische Hausordnung
Das Verhältnis zu seinem Sohn Maximilian war problematisch, da dieser Sympathien für den Protestantismus zeigte. 1562 brachte Ferdinand dennoch dessen Wahl zum römischen König zustande. Das Misstrauen führte dazu, dass er die Erblande in der Ferdinandeischen Hausordnung und dem Wiener Testament vom 25. Februar 1554 aufteilte. Maximilian erhielt Nieder- und Oberösterreich sowie Böhmen und Ungarn, Erzherzog Karl die Steiermark, Kärnten und Krain, Ferdinand das katholische Tirol mit den Vorlanden. Für die Zentralisierung bedeutete die Teilung einen Rückschritt, da sie jene Gebiete trennte, die Kaiser Friedrich III. wieder vereint hatte. Die Erbteilung hielt nicht lange an: Karl wurde weiterer Stammherr, und in den 1620ern wurden die Erblande endgültig wieder vereint.