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Karl V. (HRR)

Habsburger, Römisch-deutscher König und Kaiser, König von Spanien, Landesherr der Niederlande (1500-1558)

Herkunft und Erbe

it der Ehe Maximilians von Österreich und Marias von Burgund begann 1477 der Aufstieg des Hauses Habsburg zur europäischen Großmacht. Diese Heirat begründete den fast 300 Jahre währenden Habsburgisch-französischen Gegensatz. Aus der Ehe gingen Philipp der Schöne und Margarete von Österreich hervor. In Spanien herrschten die Katholischen Könige Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien; 1496/97 wurde eine Doppelhochzeit zwischen Philipp und deren Tochter Johanna sowie zwischen Margarete und dem Thronfolger Johann arrangiert. 1504 folgte Johanna ihrer Mutter als Königin Kastiliens. Philipp starb am 25. September 1506. In Karl vereinigten sich die Erblinien von Maximilian I., Maria von Burgund, Ferdinand II. und Isabella I.

Burgundisches und spanisches Erbe

Am 15. Januar 1515 wurde die Großjährigkeit Karls vor den Generalstaaten in Brüssel verkündet. Am 23. Januar 1516 starb sein Großvater Ferdinand II. von Aragón. Karl ließ sich zusammen mit seiner Mutter zum König von Kastilien und von Aragonien proklamieren. Erst im September 1517 reiste er nach Spanien. Dort wurden er und sein flämischer Hofstaat als Fremde wahrgenommen, weshalb er dem einheimischen Adel Zugeständnisse machen musste. Im Februar 1518 huldigten die kastilischen Cortes in Valladolid dem neuen König, Aragón und Katalonien folgten. Da Karl erstmals die Herrschaft in den Reichen Kastiliens und Aragoniens in einer Person vereinigte, gilt er als der erste König von Spanien.

Die Königswahl von 1519

Kaiser Maximilian starb im Januar 1519 und hinterließ seinem Enkel die Habsburgischen Erblande und einen umstrittenen Anspruch auf den Kaisertitel. Um die Nachfolge bewarben sich neben Karl auch Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England; die Kurie brachte Kurfürst Friedrich von Sachsen ins Spiel. Franz I. bot 300.000 Gulden Wahlgeld. Entscheidend war die Kapitalkraft Jakob Fuggers, der 851.918 Gulden an die sieben Kurfürsten transferierte. Am 28. Juni 1519 wurde Karl in Abwesenheit in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König gewählt. Mit den Kurfürsten wurde eine Wahlkapitulation ausgehandelt, die unter anderem ein Reichsregiment zusagte. Am 23. Oktober 1520 krönte ihn der Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied im Aachener Dom.

Herrschaft ohne Residenz

Karl übte seine Herrschaft weniger durch Zentralisation als durch Koordination aus. Er war der letzte Kaiser ohne eine feste Residenz oder Hauptstadt. Der zwischen 1000 und 2000 Personen umfassende Hofstaat zog zwischen den Territorien umher, worunter besonders die Reichsstädte litten. Zur Sicherung der Macht setzte Karl Familienangehörige als Regenten und Statthalter ein. Nach dem Wormser Vertrag von 1521 und dem Vertrag von Brüssel von 1522 wurde sein Bruder Ferdinand mit der Regentschaft über die österreichischen Erblande und das Herzogtum Württemberg betraut; 1525 trat Karl ihm die letzten Reste landesherrlicher Rechte im Reich ab. Im Kaisertum sah Karl die universale Ordnungsmacht in Europa oberhalb der Einzelstaaten.

Reichstag von Worms 1521

Die Reformationsbewegung um Martin Luther begann an Bedeutung zu gewinnen. Karl lud Luther nach Worms ein, damit dieser seine Lehren widerrufen sollte. Der erste Reichstag zur Zeit Karls V. fand 1521 in Worms statt. Am 17. April fand in Anwesenheit des Kaisers ein erstes Verhör statt; am nächsten Tag verweigerte Luther den Widerruf, solange niemand seine Schriften auf Basis der Bibel widerlegt hätte. Am 8. Mai erließ Karl das Wormser Edikt, das die Reichsacht über Luther verhängte und seine Schriften verbot. Aufhalten konnte er die Bewegung damit nicht, zumal Luther von Friedrich dem Weisen auf der Wartburg in Sicherheit gebracht wurde. Insgesamt spielte das Reich für Karl zu dieser Zeit nur eine Nebenrolle.

Krieg bis zum Frieden von Madrid

Durch seine territorialen Forderungen geriet Karl in Konflikt mit Franz I., der nicht nachgeben wollte. Auch dieser hegte in Italien Hegemoniebestrebungen: Nach dem Sieg bei Marignano waren 1515 weite Teile Oberitaliens und insbesondere das Herzogtum Mailand an Frankreich gefallen. Am 24. Februar 1525 gelang den Truppen Karls in der Schlacht bei Pavia ein entscheidender Sieg, und der französische König wurde gefangen genommen. Im Frieden von Madrid vom 14. Januar 1526 verzichtete Franz I. auf Mailand sowie die Lehnshoheit in Flandern und dem Artois, nicht aber auf seine Ansprüche in Burgund. Karl appellierte an die ritterliche Ehre und entließ Franz gegen den Rat seiner Berater aus der Gefangenschaft.

Liga von Cognac und Osmanen

Nach seiner Rückkehr widerrief Franz I. den Frieden von Madrid und schuf ein breites Bündnis mit Papst Clemens VII., Venedig, Florenz und Mailand, die Heilige Liga von Cognac. 1526 besiegten die Osmanen den ungarischen König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács; 1529 belagerten sie mit 120.000 Mann Wien. Am 5. Mai 1527 plünderten die führerlosen kaiserlichen Landsknechte Rom im Sacco di Roma. Der am 5. August 1529 ausgehandelte Damenfriede von Cambrai besiegelte den Verzicht Frankreichs auf Ansprüche in Italien; der Kaiser trat vom Anspruch auf das Herzogtum Burgund zurück. Damit war die Vorherrschaft des Hauses Habsburg bis zum Ende des 16. Jahrhunderts gesichert.

Augsburg 1530 und Nürnberger Anstand

Nach seiner Kaiserkrönung kehrte Karl 1530 mit einem Programm der kirchlichen Einheit ins Reich zurück und übernahm den Vorsitz auf dem Reichstag in Augsburg. Philipp Melanchthon verfasste dort die Confessio Augustana, die Karl durch die katholische Confutatio für widerlegt erklärte. Weil die protestantischen Stände ein gewaltsames Vorgehen befürchteten, schlossen sich einige im Februar 1531 im Schmalkaldischen Bund zusammen. Mit der Constitutio Criminalis Carolina erließ Karl ein einheitliches Straf- und Prozessrecht; sie wurde 1532 auf dem Reichstag in Regensburg ratifiziert. Vor dem Hintergrund der Türkengefahr schloss Karl 1532 mit den protestantischen Reichsständen den Nürnberger Religionsfrieden, eine Art Waffenstillstand bis zur Klärung der Religionsfrage durch ein Konzil.

Schmalkaldischer Krieg

1546 eröffnete der Kaiser den Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund. Die Armee der Protestanten war mit 57.000 Mann überlegen, konnte diese Überlegenheit aber nicht ausspielen, da man sich nicht auf ein koordiniertes Vorgehen einigte. Karl V. besiegte Johann Friedrich von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547. Dieser und später auch Philipp von Hessen wurden gefangen genommen. Der Kurfürst von Sachsen wurde zum Tode verurteilt; das Urteil wurde nicht vollstreckt, doch die Kurwürde vergab Karl an Moritz von Sachsen.

Fürstenaufstand

Die kaiserliche Übermacht und der Versuch, die Religionsfrage von oben zu lösen, lösten unter den Reichsständen oppositionelle Bewegungen aus. Die Führung ging auf Moritz von Sachsen über, der in das Lager der Gegner gewechselt war. Der Bund verband sich mit Heinrich II. von Frankreich. Im Februar 1552 marschierte Heinrich II. mit 35.000 Mann in Lothringen ein und besetzte die dortigen Hochstifte. Bald marschierten die Gegner in Innsbruck ein, und der Kaiser musste nach Villach fliehen. Der Passauer Vertrag lief im Kern auf die Rückkehr zum Nürnberger Anstand hinaus. Damit waren die Erfolge Karls aus dem Schmalkaldischen Krieg verspielt.

Augsburger Religionsfriede

Der Kaiser machte klar, dass nicht er, sondern Ferdinand die Leitung des Reichstages übernehmen sollte. Gegen die Bedenken Karls wurde am 25. September 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen. Er erkannte die lutherische Variante des Protestantismus an. Den Reichsständen, mit Ausnahme der geistlichen Territorien, wurde das Recht der freien Religionswahl zugestanden.

Abdankung

Von der Gicht gezeichnet und das Scheitern seiner Religionspolitik im Reich erkennend, entschied sich der Kaiser zur Abdankung. Das spanische Erbe sollte an seinen Sohn Philipp fallen. Im September 1555 fiel die Entscheidung, die Besitzungen zu teilen: Philipp und damit die künftige spanische Linie bekam auch die Niederlande und die italienischen Besitzungen, Ferdinand und Maximilian als österreichische Linie erhielten die Erblande, Böhmen, Ungarn und den Anspruch auf die Kaiserkrone. Am 25. Oktober übergab Karl in Brüssel die Herrschaft über die Niederlande an Philipp. Am 8. August 1556 überließ er Ferdinand die Regierung des Reiches. Am 12. September 1556 stellte er den Kurfürsten seine förmliche Abdankungsurkunde zu.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Karl V. (HRR)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 270428444redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Tizian zugeschriebenentstanden 1548Public domainQuelle