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Martin Luther

deutscher Theologe, Autor und Urheber der Reformation

Herkunft und Name

uther war der erste Sohn des Hüttenmeisters Hans Luder und seiner Frau Margarethe Lindemann. Die Eltern hatten um 1479 geheiratet und waren nach Eisleben gezogen, wo der Vater eine Hütte pachtete. Nach Erinnerungen der Mutter, die Philipp Melanchthon nach Luthers Tod aufzeichnete, kam er am 10. November nachts zur Welt und wurde am Folgetag auf den Namen des Tagesheiligen Martin von Tours getauft. Das Geburtsjahr 1483 war nach Luthers Bruder Jakob Familienmeinung; Luther selbst nannte 1482 oder 1484.

Schule und Studium

In der Mansfelder Lateinschule lernte Luther vor allem Grammatik und etwas Logik, Rhetorik und Musik. Zur Vorbereitung auf das Studium zog er zu Verwandten seiner Mutter nach Eisenach. Auf der Pfarrschule St. Georgen lernte er, Latein fließend zu sprechen und zu schreiben. Im Sommersemester 1501 wurde er in der Artistenfakultät der Universität Erfurt eingeschrieben, am 6. Januar 1505 schloss er als zweiter von 17 Kandidaten mit dem Magister artium ab. Auf Wunsch des Vaters begann er im Sommersemester 1505 ein Jurastudium. Am 2. Juli 1505 überraschte ihn bei Stotternheim ein schweres Gewitter. In Todesangst gelobte er der heiligen Anna, Mönch zu werden. Am 17. Juli 1505 bat er das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt um Aufnahme.

Kloster und Theologiestudium

Im Augustinerkloster Erfurt legte Luther vor Prior Winand von Diedenhofen seine erste Generalbeichte ab. Mit seiner Profess im September 1506 wurde er endgültig in den Orden aufgenommen. Am 4. April 1507 weihte ihn Weihbischof Johann Bonemilch von Laasphe im Erfurter Dom zum Priester. Auf Empfehlung von Johann von Staupitz versetzte die deutsche Kongregation Luther am 18. Oktober 1508 nach Wittenberg. Im Herbst 1509 hielt er am Dom zu Erfurt seine Sentenzenvorlesung und wurde zum Baccalaureus sententiarius ernannt. Danach zog er ganz nach Wittenberg um.

Aufgaben in Wittenberg

Im September 1511 zog Luther von Erfurt nach Wittenberg, das damals höchstens 2500 Einwohner hatte, und bewarb sich für ein theologisches Doktorat. Die Stadt war Hauptstadt von Kursachsen. Das Ordenskapitel ernannte ihn zum Subprior, Studienleiter und Klosterprediger der Wittenberger Niederlassung. Er sollte die Bibelprofessur auf Lebenszeit übernehmen; Kurfürst Friedrich der Weise war bereit, die Promotionskosten zu tragen. Weil der Stiftskantor seine Aufgabe als Prediger an der Stadtkirche nicht wahrnahm, erhielt Luther den Predigtauftrag. Auf dem Kongregationskapitel in Gotha am 1. Mai 1515 wurde er zum Provinzialvikar ernannt und übernahm Leitungsaufgaben in seinem Orden.

Professur für Bibelauslegung

Im Oktober 1512 wurde Luther durch Andreas Bodenstein an der Leucorea zum doctor theologiae promoviert. Sein Doktoreid verpflichtete ihn auf die Heilige Schrift und auf die theologische Erschließung ihres Gehalts. In Wittenberg bot er pro Semester eine zweistündige Vorlesung an. Nur von wichtigen Ereignissen unterbrochen, las er regelmäßig bis November 1545 über ein biblisches Buch. Im August 1518 berief die Universität Wittenberg Philipp Melanchthon an den neu eingerichteten Lehrstuhl für Altgriechische Sprache. Er wurde Luthers engster Mitarbeiter.

Die reformatorische Wende

Wann Luther das reine Geschenk der Gerechtigkeit Gottes allein aus Gnade zuerst formulierte, ist ein Hauptstreitpunkt der Forschung. Später beschrieb er den Wendepunkt als unerwartete Erleuchtung in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters. 1545 schilderte er ihn rückblickend als große Befreiung während der Vorbereitung auf seine zweite Psalmenvorlesung. In der Meditation über Röm 1,17 habe er entdeckt, was er seit einem Jahrzehnt vergeblich gesucht hatte: Gottes ewige Gerechtigkeit sei ein reines Gnadengeschenk, das dem Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gegeben werde. Keinerlei Eigenleistung könne dieses Geschenk erzwingen.

Ablass und 95 Thesen

Die auf den 31. März 1515 datierte Ablassbulle von Papst Leo X. sollte dem Neubau des Petersdoms dienen und dem Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg Einnahmen zum Bezahlen seiner Schulden beim Bankhaus der Fugger verschaffen. Ab 22. Januar 1517 ließ der Dominikaner Johann Tetzel eine vergröbernde Version der Ablassanweisung drucken. Im Spätsommer 1517 bekam Luther sie zu lesen. Am 31. Oktober 1517 schrieb er an den Mainzer Erzbischof, unterschrieb als Doktor der Theologie und legte dem Brief seine 95 Thesen bei. Die Thesen kursierten in Handschriften und wurden im Dezember 1517 in Nürnberg, Leipzig und Basel gedruckt. Melanchthon zufolge soll Luther sie am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche angeschlagen haben.

Der römische Prozess

Im Juli 1518 eröffnete die römische Kurie ein Verfahren gegen Luther; das Ergebnis wurde ihm am 7. August 1518 zugestellt. Er sollte sich binnen 60 Tagen in Rom gegen den Vorwurf der Häresie rechtfertigen. Sein Landesherr Friedrich der Weise erwirkte das Verhör auf dem Reichstag zu Augsburg. Vom 12. bis 14. Oktober 1518 traf Luther dort mehrfach mit Kardinal Cajetan zusammen. Cajetan war bereit, einen Widerruf väterlich anzunehmen; Luther aber wollte disputieren. Am 15. Juni 1520 erließ der Papst die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine. Luther und seinen Anhängern wurden 60 Tage für den Widerruf ihrer Irrtümer eingeräumt.

Worms und die Reichsacht

Am 3. Januar 1521 wurde Luther mit der Bannbulle Decet Romanum Pontificem exkommuniziert. Am 17. April 1521 stand er vor Kaiser Karl V. und dem Reichstag zu Worms, wurde vor den Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit lehnte er ab. In einem Hohlweg bei der Burg Altenstein fand am 4. Mai der geplante Überfall auf Luthers Reisewagen statt; er wurde auf Umwegen zur Wartburg gebracht. Am 26. Mai 1521 verhängte der Reichstag das vom Kaiser gezeichnete Wormser Edikt über ihn. Es verbot im gesamten Reich, Luther zu unterstützen, seine Schriften zu lesen oder zu drucken.

Auf der Wartburg

Vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522 lebte Luther auf der Wartburg unter der Aufsicht des Burghauptmanns Hans von Berlepsch. Er legte Habit und Tonsur ab und nahm die Identität eines Ritters an, des Junkers Jörg. Bei einem Treffen regte Melanchthon an, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Grundlage war die zweite Auflage des von Erasmus herausgegebenen griechischen Neuen Testaments. Luther schloss die Arbeit in nur elf Wochen ab.

Der Bauernkrieg

In deutschen Gebieten kam es 1524 bis 1526 zum Bauernkrieg. Mit den 12 Artikeln gaben sich die Aufständischen einheitliche Ziele, die von der Wiederherstellung ihrer Gewohnheitsrechte bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft und zu demokratischen Grundrechten reichten. Nach der Rückkehr nach Wittenberg am 6. Mai verfasste Luther die Schrift Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren. Darin verdammte er die Aufstände als Werk des Teufels und forderte alle Fürsten auf, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen. Am 15. Mai wurden die thüringischen Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen vernichtend geschlagen.

Das Ende

Trotz eines länger währenden Herzleidens reiste der 62-jährige Luther im Januar 1546 nach Eisleben, um Erb- und Rechtsstreitigkeiten innerhalb der Mansfeldischen Grafenfamilie beilegen zu helfen. In der Nacht zum 18. Februar 1546 erwachte er durch einen Schmerzanfall. Justus Jonas der Ältere und Michael Caelius fragten ihn, ob er bis zum Tode seine Lehre bekenne. Er antwortete mit Ja, reagierte dann nicht mehr und starb morgens um 3 Uhr. Beigesetzt wurde er am 22. Februar in der Schlosskirche zu Wittenberg unterhalb der Kanzel.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Martin LutherVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269396157redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Lucas Cranach der Ältereentstanden 1528Public domainQuelle