Deutscher Bauernkrieg
Erhebung deutscher Bauern gegen den Adel zu Beginn des 16. Jahrhunderts
rsachen für die ländlichen Unruhen waren regional unterschiedlich, oft aber wirkten mehrere Gründe zusammen: wirtschaftliche Not, soziales Elend, Schwierigkeiten gegenüber Grund-, Leib- und Gerichtsherren Recht zu erhalten, sowie Missstände in Adel und Klerus. Die Bauern trugen die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft. Fürsten, Adel, Beamte, Patrizier und Klerus lebten von ihrer Arbeitskraft, und mit steigender Zahl der Nutznießer stiegen auch die Abgaben. Neben Groß- und Kleinzehnt zahlten die Bauern Steuern, Zölle und Zinsen und waren zu Fron- und Spanndiensten verpflichtet. In Oberschwaben, Württemberg, Franken, Sachsen und Thüringen führte die Realteilung bei gleichbleibender Produktionsfläche zu immer kleineren Höfen.
In der Kirche herrschten erhebliche Missstände; viele Geistliche führten ein ausschweifendes Leben, in Rom gelangte man durch Vetternwirtschaft und Bestechung zu Amt und Würden. Diese Zustände kritisierten schon früh Hans Böhm in Tauberfranken, Girolamo Savonarola in Florenz und später Martin Luther. Als der Dominikaner Johann Tetzel 1517 im Auftrag des Erzbischofs von Mainz, Albrecht von Brandenburg, und des Papstes Leo X. den Ablass predigte, verfasste Luther seine 95 Thesen und nagelte sie der Überlieferung zufolge am 31. Oktober 1517 an die Kirchentür von Wittenberg. Auch Ulrich Zwingli in Zürich und Thomas Müntzer in Allstedt vertraten die Ansicht, dass jeder Mensch ohne die Vermittlung der Kirche seinen Weg zu Gott finden könne. Damit untergruben sie den Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche und bestätigten den Bauern, wie weit sich der Klerus von seinen eigenen Lehren entfernt hatte.
Einzelne Bauernbünde wie der des Tirolers Michael Gaismair hielten sich noch einige Jahre im Geheimen, etliche geächtete Bauern lebten noch Jahrzehnte als Räuberbanden in Wäldern. Zu größeren Aufständen kam es aber nicht mehr, in den folgenden 300 Jahren begehrten die Bauern kaum noch auf. Dazu trug die Möglichkeit des Untertanenprozesses bei, der Bauern und Bürgern den Rechtsweg zu den Reichsgerichten öffnete und ein Instrument zur friedlichen Konfliktbewältigung bot. Die Forschung relativierte 1975 die frühere Annahme eines demographischen Einbruchs: In den Aufstandsgebieten habe der Verlust 2,5 bis 3,0 Prozent der Gesamtbevölkerung betragen, die Zahl der Todesopfer wird auf 70.000 bis 75.000 beziffert, bezogen auf das gesamte Reich wären dies 0,5 Prozent gewesen. Überlebende Aufständische fielen automatisch in Reichsacht, verloren alle Rechte und Privilegien und waren vogelfrei; die Anführer wurden mit dem Tod bestraft.