Ferdinand von Bayern (1577–1650)
Erzbischof von Köln, Fürstbischof von Hildesheim, Lüttich, Münster und Paderborn
erdinand war Sohn von Herzog Wilhelm V. von Bayern und Renata von Lothringen. Sein Onkel war der Kölner Erzbischof Ernst von Bayern, sein Bruder der spätere Kurfürst Maximilian I. von Bayern. Schon 1587 kam er im Alter von neun Jahren auf das Jesuitengymnasium in Ingolstadt, zusammen mit seinem Bruder Philipp Wilhelm. Die Erziehung durch Jesuiten prägte seine spätere gegenreformatorische Haltung stark. Früh hielt er Domkanonikate in Mainz, Trier, Salzburg, Würzburg, Passau, Straßburg und Köln inne, um ihm über die Wittelsbacher Hausmachtpolitik den Zugang zu Bischofsämtern zu eröffnen. Es ging dabei besonders um die Nachfolge seines Onkels Ernst von Bayern in Köln, Lüttich, Hildesheim und Münster. Nach dem Studium reiste er nach Köln, um seiner Residenzpflicht als Domherr nachzukommen. Ab etwa 1590 war Adolph Wolff von Metternich sein geistlicher Erzieher und Mentor, mit dem er 1592/93 zum Studium in Rom war. Papst Clemens VIII. sah dabei über die eigentlich seit dem Konzil von Trient verbotene Ansammlung von Pfründen hinweg.
Sein Onkel Ernst von Bayern hatte den zum Protestantismus übergetretenen Gebhard I. von Waldburg als Kölner Erzbischof verdrängt, führte aber selbst kein Leben im Geist des Konzils von Trient. Deshalb brachte der päpstliche Nuntius den frommen Ferdinand als Koadjutor ins Gespräch, wozu Papst und Domkapitel zustimmten, nachdem Vater Wilhelm die Kosten übernahm. 1591 wurde Ferdinand Koadjutor in der Fürstpropstei Berchtesgaden, 1594 Fürstpropst, ein Jahr später Koadjutor in Köln. Es folgten Stablo-Malmedy 1599, das Bistum Lüttich 1601 sowie Hildesheim und Münster 1611. Ernst überließ ihm fast alle Amtsgeschäfte, behielt sich aber die kurfürstlichen Rechte bis zu seinem Tod 1612 vor. Danach wurde Ferdinand Erzbischof von Köln und Bischof von Münster, Lüttich und Hildesheim, seit 1618 auch von Paderborn. Priester- oder Bischofsweihe erhielt er nie, da er als möglicher Nachfolger seines kinderlosen Bruders Maximilian in Bayern heiratsfähig bleiben wollte. Diese Ämterhäufung schützte die Gebiete vor protestantischen Nachbarn, verstieß aber gegen das Verbot des Konzils von Trient.
In Köln richtete er die Finanzen des Kurstaates und reformierte die Verwaltung, während er sich um eine unparteiische Justiz bemühte. Seine Politik folgte eng der seines Bruders Maximilian von Bayern, was sich 1623 zeigte, als er als einziger Kurfürst der Übertragung der Kurwürde des geächteten Friedrich V. auf Maximilian zustimmte. Bereits vor dem Krieg unterstützte er im jülich-klevischen Erbfolgestreit nach 1609 zusammen mit Maximilian seinen Schwager Wolfgang-Wilhelm von Neuburg. 1618 schloss er sich der katholischen Liga an und folgte während des gesamten Dreißigjährigen Krieges der bayerischen Politik. Er sagte früh eine Kriegsdauer von 20, 30 oder 40 Jahren voraus. Im ersten Kriegsjahrzehnt bewahrte er seine Gebiete weitgehend, doch nach der Niederlage der Liga in der Schlacht bei Breitenfeld wurden Kurköln und Kurtrier Durchmarschgebiet spanischer Truppen. Er bot Kurköln daraufhin geheim Richelieu zum Schutz an und erließ ein Durchmarschverbot für spanische Truppen, was Kaiser Ferdinand II. beunruhigte. Bis Kriegsende blieben die kurkölnischen Gebiete Tummelplatz schwedischer, französischer, kaiserlicher und spanischer Truppen.