Frankreich
Staat in Westeuropa mit Überseegebieten
us dem westlichen Teil des Fränkischen Reiches hervorgegangen, erweiterte Frankreich während des Mittelalters seinen kulturellen und militärischen Einfluss in Europa, meist in Rivalität mit dem Königreich England und dem Heiligen Römischen Reich. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte das Land schließlich eine europäische Führungsrolle und Vormachtstellung. Die Hofhaltung Ludwigs XIV. wurde zum Vorbild absolutistischer Staaten in ganz Europa. Die Französische Revolution mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte gab zusammen mit den Okkupationen durch Napoleon Bonaparte in vielen Ländern den Auftakt zu einer immer wieder unterbrochenen Entwicklung zur Demokratie.
Im Mittelalter war das französische Königtum geprägt vom Aufstieg gegen die Unabhängigkeit des Hochadels und die weltliche Macht der Klöster. Die Kapetinger setzten von der Île-de-France aus die Idee eines Einheitsstaates durch, unterstützt durch die Teilnahme an Kreuzzügen. Im Frühmittelalter fielen ab der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts Wikinger in den Unterlauf der Seine ein und siedelten sich dort an. Nachdem 911 der westfränkische König Karl der Einfältige den Normannenführer Rollo mit der Grafschaft Rouen betraut hatte, wurde das Gebiet als Normandie bekannt.
In der frühen Neuzeit befand sich das französische Königtum nach der Eingliederung Burgunds und der Bretagne auf einem vorläufigen Höhepunkt seiner Macht, wurde aber während der Renaissance durch Habsburg bedroht. Der habsburgische Kaiser Karl V. beherrschte ein Reich, dessen Länder sich rund um Frankreich gruppierten. Ab der Reformation im frühen 16. Jahrhundert breitete sich, vor allem durch Johannes Calvin, der Protestantismus in Frankreich aus. Die französischen Calvinisten, Hugenotten genannt, wurden in ihrer Glaubensausübung stark unterdrückt, die Hugenottenkriege forderten bis zu 4 Millionen Tote, mit der Bartholomäusnacht 1572 als Höhepunkt.
Die Kriege der absolutistischen Könige, ihre teure Hofhaltung und Missernten lösten eine Finanzkrise aus, die Ludwig XVI. zur Einberufung der Generalstände zwang. Die Nationalversammlung arbeitete eine Verfassung aus, beschränkte die Macht des Königs und beendete das Ancien Régime. Die sich verschlechternden Lebensbedingungen des Volkes führten 1789 zur Französischen Revolution mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Die 1791 verabschiedete Verfassung machte Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie.