Fredegar
er Name Fredegar taucht in der Überlieferung erst im 16. Jahrhundert bei Claude Fauchet auf und ist nicht gesichert. Auch die Zahl der beteiligten Verfasser ist unklar. Bruno Krusch nahm drei Schreiber an, andere Forscher wie Wallace-Hadrill zwei. Die neuere Forschung geht mehrheitlich von einem einzigen Verfasser aus, der das Werk kurz nach 659 verfasste. Man vermutet einen Autor aus aristokratischen Kreisen, möglicherweise aus der königlichen Verwaltung, ursprünglich aus Burgund stammend, später in Austrasien ansässig. Das Werk war wohl für ein austrasisches Publikum bestimmt und sollte wahrscheinlich den Interessen der Pippiniden dienen, die den Sturz des Hausmeiers Grimoald verkraften mussten.
Die Chronik ist eine Weltchronik, die 642 abrupt endet, wobei einzelne Angaben bis 659 reichen. Die ersten Bücher bauen auf älteren Werken wie Hippolyt von Rom, Isidor von Sevilla, Hieronymus, Hydatius von Aquae Flaviae und Gregor von Tours auf. Das vierte Buch gilt als zentrale Quelle zur fränkischen Reichsgeschichte des 7. Jahrhunderts. Der Autor interessierte sich vor allem für die Herrscher und deren Schwächen, maß sie an ihrer Rolle für die Ausbreitung des Christentums und übte Kritik an den Merowingerkönigen, während er mit den weltlichen Großen sympathisierte, die gegen die Königsmacht agierten.
Die Chronik berührt erstmals die fränkische Trojasage und enthält eines der frühesten europäischen Zeugnisse für die arabischen Eroberungen sowie den einzigen unabhängigen Beleg für das frühslawische Samo-Reich. Das in mangelhaftem Latein abgefasste Werk ist in 38 Handschriften überliefert, deren früheste wohl um 700 in Metz entstand. In karolingischer Zeit wurde die Chronik als karolingische Hauschronik bis 768 fortgeführt; diese Fortsetzung wird als Continuationes bezeichnet.