Kontextartikel2 Min. Lesezeit

Friedberg (Hessen)

Kreisstadt des Wetteraukreises in Hessen

uf dem Friedberger Burgberg befand sich am Anfang des 1. Jahrhunderts ein römisches Militärlager, möglicherweise im Rahmen der Germanicus-Feldzüge zwischen 14 und 16 n. Chr. errichtet. Nach dem Ende der Feldzüge war Friedberg jahrzehntelang ohne römische Besatzung. Erst unter Kaiser Vespasian, in den Jahren 69 bis 79 n. Chr., wurde auf dem Burgberg wieder ein Kastell errichtet. Diese mehrfach erweiterte Anlage wurde mit dem Rückzug der Römer auf die Rheingrenze um 260 n. Chr. aufgegeben. Westlich des Kastells betrieb man gegen Ende des 1. Jahrhunderts eine kleinere Militärziegelei, in der auch Gefäße gebrannt wurden. Gestempelte Ziegel stammen von der cohors IV Aquitanorum und der cohors I Flavia Damascenorum. Heute noch sichtbar ist der Rest einer kleinen Badeanlage, vermutlich Teil der Kommandantur des Kastells.

FriedbergOrt auf der Karte 164850.3353 N, 8.7550 OAuf der Karte zeigen

Stadt und Burg Friedberg liegen auf einem Basaltfelsen mitten in der Wetterau. Sie wurden vermutlich im Auftrag Kaiser Friedrich Barbarossas zwischen 1171 und 1180 gegründet, die Stadt als Planstadt nach staufischem Grundriss. Die älteste erhaltene Urkunde für die Burg stammt aus dem Jahr 1216, für die Stadt aus dem Jahr 1219. Reichsburg und Reichsstadt waren rechtlich selbständige Einheiten mit eigenem Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, wobei der Burggraf von Anfang an auch Vertreter des Königs gegenüber der Stadt war. Im Laufe der Jahrhunderte, vor allem in der Phase des wirtschaftlichen Niedergangs am Ende des Mittelalters, gelang es der Burggrafschaft, zunehmend in die Strukturen der Stadt einzudringen. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Übernahme der halben Reichspfandschaft über die Stadt durch die Burg 1535. Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung war die Tuchproduktion.

1552 wurde die Reichsstadt evangelisch. Aus Friedberg sind von 1574 bis 1665 zwölf Hexenprozesse bezeugt; stellvertretend für alle Opfer wurde Susanna Edelhäuser 1995 mit einer Straßenbenennung geehrt. Die Stadt litt, bedingt durch ihre Lage an verschiedenen Fernstraßen, stark unter kriegerischen Ereignissen, dem Dreißigjährigen Krieg, dem Siebenjährigen Krieg und den französischen Revolutionskriegen samt der damit verbundenen Plünderungen. Sie gehörte dem Oberrheinischen Reichskreis an. Zu einer kurzen Randnotiz der Literaturgeschichte gereichte der Stadt ein unfreiwilliger Besuch des jungen Johann Wolfgang von Goethe, der in einem Brief vom 10. November 1772 klagte, er sitze „ietzo im leidigen Friedberg“.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss fiel 1803 die Stadt mit damals etwa 2.000 Einwohnern und 1806 die Burg Friedberg an das Großherzogtum Hessen, wobei beide erst 1834 vereinigt wurden. Die Stadt wurde innerhalb der Verwaltung als Amt Friedberg geführt, wobei Verwaltung und Rechtsprechung nicht getrennt waren. 1821 kam es zu einer Justiz- und Verwaltungsreform, mit der auch die Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung auf unterer Ebene umgesetzt wurde, wodurch auch das Amt Friedberg aufgelöst wurde.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Friedberg (Hessen)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 270331379redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Matthäus Merianentstanden 1655Public domainQuelle