Oberrheinischer Reichskreis
einer der zehn Reichskreise, in die das Heilige Römische Reich eingeteilt war
as Gebiet des Kreises war extrem zersplittert und reichte von Savoyen im Süden bis Hessen-Kassel im Norden. Er lag zwischen Frankreich, dem burgundischen und westfälischen Reichskreis im Westen sowie dem schwäbischen und fränkischen Reichskreis im Osten und wurde entlang des Mittelrheins vom Kurrheinischen Reichskreis unterbrochen. Ursprünglich sollte er die Westgrenze gegen Frankreich schützen, war dazu aber nicht in der Lage. Er umfasste anfangs 72 Mitglieder, im 18. Jahrhundert noch 42, mit etwa 1,45 Millionen Einwohnern, davon 74 Prozent Protestanten, 25 Prozent Katholiken und 1 Prozent Juden. Die Bischöfe von Genf, Lausanne, Sitten und Besançon blieben dem Kreis fern. 1552 wurden die lothringischen Hochstifte Metz, Toul und Verdun von Frankreich besetzt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gingen große Teile des Elsasses mit Straßburg an Frankreich verloren.
Das geistliche Direktorat lag bei den Bischöfen von Worms, das weltliche bei den Pfalzgrafen, wodurch enge Beziehungen zum Kurrheinischen Reichskreis bestanden. Der Übergang vom protestantischen Pfalz-Simmern zum katholischen Pfalz-Neuburg verschärfte die konfessionellen Konflikte, sodass sich Stände wie Nassau und Hessen-Kassel kaum noch beteiligten. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg wurden protestantische Kodirektoren eingerichtet. Die Kreistage fanden zunächst in Worms, später in Frankfurt am Main statt und waren in vier Bänke gegliedert: Geistliche, Fürsten, Grafen und Herren, sowie Städte. Der Kreis war mit dem Niederrheinisch-Westfälischen und dem Kurrheinischen Reichskreis in einem Münzzirkel vereinigt, wobei die Beziehung zum Kurrheinischen Kreis besonders eng war; bereits 1651 kam es zu einer ersten Assoziation beider Kreise.
Die Reichskreise bestimmten Kreisobristen für zivile und militärische Aufgaben. 1531 wurde Philipp von Daun als Hauptmann der Kreistruppen gegen die Türken ernannt. Aus Angst vor zu viel Machtfülle stattete der Kreis das Amt finanziell schlecht aus, sodass lange die Grafen von Solms es innehatten. Später wechselte das Amt: ab 1591 der Herzog von Pfalz-Simmern, ab 1673 die Kurfürsten von der Pfalz, ab 1679 die Landgrafen von Hessen-Kassel und ab 1722 die Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges stand ein Kreisgeneral an der Spitze der Kreistruppen. 1681 hatte der Kreis 491 Reiter und 2853 Infanteristen zu stellen.