Friedrich III. (HRR)
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Herkunft
riedrich entstammte der Familie der Habsburger. Die Neuberger Teilung von 1379 zwischen Albrecht III. und Leopold III. trennte die habsburgischen Länder. Friedrich gehörte der Hauptlinie der Leopoldiner in den innerösterreichischen Herzogtümern an. Er war der älteste Sohn aus der zweiten Ehe Herzog Ernsts mit Cimburgis von Masowien. Von neun Kindern erreichten neben ihm nur Albrecht VI., Margarete und Katharina das heiratsfähige Alter. Herzog Ernst starb, als Friedrich neun Jahre alt war. Die folgenden Jahre verbrachte er bei seiner Mutter in Graz oder Wiener Neustadt. 1424 wurde Herzog Friedrich IV. von Tirol Vormund Friedrichs und seines Bruders Albrecht. Friedrich erhielt eine sehr gute Ausbildung, über die kaum Einzelheiten überliefert sind. 1429 starb seine Mutter.
Streit in der Familie
1431 wurde Friedrich für mündig erklärt, doch die Vormundschaft verlängerte man um drei Jahre. 1435 trat er die selbstständige Regierung als Herzog von Innerösterreich an. Mit seinem Bruder kam es zum Streit über Finanzmittel und Herrschaft. Ein Schiedsspruch von 1436 gab Albrecht die Mitregierung und Friedrich die Vorrangstellung, ließ die Aufteilung der Einnahmen aber offen. Am 9. August 1436 brach Friedrich von Triest aus zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land auf; rund 50 adelige Begleiter wurden zu Rittern des Heiligen Grabes geschlagen. Nach dem Tod Herzog Friedrichs IV. am 24. Juni 1439 übernahm Friedrich die Vormundschaft über dessen zwölfjährigen Sohn Sigmund. Mit vierundzwanzig Jahren war er Senior des Hauses Österreich und wurde auch Vormund des Ladislaus Postumus.
Die Wahl von 1440
Friedrich war als Vetter der nächste männliche Verwandte König Albrechts. Am 2. Februar 1440 wählten die Kurfürsten den 24-jährigen Herzog Friedrich V. von Österreich in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König. Ob dynastische Gründe den Ausschlag gaben oder eine Alternative fehlte, ist ungewiss. Als neuer Herrscher regierte Friedrich nur die Steiermark, Kärnten und die Krain.
Ungarn und Böhmen
Die Königinwitwe Elisabeth ließ ihren Sohn Ladislaus im Mai 1440 in Stuhlweißenburg mit der entwendeten Stephanskrone zum König von Ungarn krönen. Am 23. August 1440 wurde eine Einigung erzielt: Die Vormundschaft blieb bei Friedrich, Albrecht erhielt 10.000 Dukaten und fünf Städte. Nach dem Tod Władysławs bei Varna wurde Ladislaus am 7. Mai 1445 in Pest als ungarischer König anerkannt; die Regierung führte der am 6. Juni 1446 gewählte Reichsverweser Johann Hunyadi. Der Vertrag von Pressburg vom 22. Oktober 1450 bestimmte, dass Ladislaus bis zum 18. Lebensjahr bei Friedrich blieb. In Böhmen nahm Georg von Podiebrad 1448 Prag ein; 1451 übertrug ihm Friedrich die Reichsverweserschaft.
Kirchenpolitik und Wiener Konkordat
Seit 1378 stritten rivalisierende Päpste um die Entscheidungsgewalt in der Kirche. Das Basler Konzil setzte am 15. Juni 1439 Papst Eugen IV. ab und wählte Amadeus von Savoyen als Felix V. Die Kurfürsten hatten sich am 17. März 1438 für neutral erklärt; Friedrich hielt daran zunächst fest. 1445 gab er die Neutralität auf und näherte sich Eugen IV. an. Am 17. Februar 1448 schloss er mit Nikolaus V. das Wiener Konkordat, das bis 1806 gelten sollte. Es regelte das Verhältnis der Reichskirche zum Heiligen Stuhl und sprach dem Papst umfangreiche Einkünfte und Eingriffsmöglichkeiten zu. Das Basler Konzil zog sich 1449 nach Lausanne zurück und löste sich am 25. April 1449 auf.
Ferne vom Reich
Friedrich legte während seiner Regierungszeit mindestens 33.826 Kilometer zurück. Von 1444 bis 1471 erschien er nicht mehr im Binnenreich; nur für die Kaiserkrönung 1452 verließ er die Erblande. Aus der Ferne regierte er über Mandate, Reskripte und Kommissare. Die Politik, die Böhmen einen Vorrang einräumte, führte er nicht fort; in Böhmen hielt er sich nur einmal auf. Durch die Hussitenkriege war Böhmen zerrüttet und als Zentrallandschaft nicht mehr geeignet. Ab 1440 baute Friedrich seine Residenz in Wiener Neustadt aus, das etwa 7000 bis 8000 Einwohner zählte. 1444 gründete er dort Neukloster. Obwohl er jahrzehntelang von der Peripherie aus regierte, blieb sein Königtum ungefährdet; alle Pläne, ihn zu entmachten, scheiterten.
Krönung in Rom
Im Dezember 1451 brach Friedrich mit seinem Bruder Albrecht, mit Ladislaus und einem kleinen Aufgebot nach Süden auf. Am 24. Februar 1452 traf er in Siena mit der fünfzehnjährigen portugiesischen Königstochter Eleonore zusammen, im März erreichte er Rom. Am 16. März wurde er als letzter römisch-deutscher König zum italienischen König und drei Tage später von Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt. Zugleich wurde die Trauung mit Eleonore gefeiert. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen nur der 1459 geborene Maximilian und die 1465 geborene Kunigunde überlebten. Nach der Krönung nannte er sich in Anknüpfung an die Staufer Friedrich I. und Friedrich II. Friedrich III. und überging damit Friedrich den Schönen.
Das Erbe des Ladislaus
Nach seiner Rückkehr am 20. Juni 1452 musste sich Friedrich mit der ständischen Opposition auseinandersetzen. Im Waffenstillstand vom 1. September 1452 gab er Ladislaus an den Grafen von Cilli heraus. Am 6. Januar 1453 erweiterte er die als Privilegium Maius bezeichneten Freiheitsbriefe; die österreichischen Herzöge der innerösterreichischen Linie wurden zu Erzherzögen erhoben. Am 23. November 1457 starb Ladislaus unerwartet, womit die albertinische Linie endete. Die ungarische Königswürde ging am 24. Januar 1458 an Matthias Hunyadi, genannt Corvinus; eine Gruppe wählte am 17. Februar 1459 Friedrich zum ungarischen König. Im Ödenburger Vertrag vom 19. Juli 1463 erkannte Friedrich Matthias an, durfte den Königstitel führen und erhielt den Anspruch auf die Nachfolge.
Krieg gegen den Bruder
Nach Ladislaus’ Tod erhoben Friedrich und Albrecht VI. Erbansprüche auf Ober- und Niederösterreich. 1458 erhielt Albrecht im Teilungsvertrag Oberösterreich und 32.000 Pfund Pfennige, Friedrich behielt Niederösterreich mit Wien. 1461 brach der offene Krieg aus. Im Herbst 1462 wurden Friedrich und seine Familie in der Wiener Burg belagert; Georg von Podiebrad befreite ihn. Mit Albrechts Tod am 2. Dezember 1463 endeten die Feindseligkeiten. Am 20. August 1467 erließ Friedrich in Wiener Neustadt einen Landfrieden mit fünfjährigem Fehdeverbot; Verletzungen galten als Majestätsverbrechen. Angaben über die zuständigen Gerichte fehlten, die Wirkung blieb begrenzt. Erst Maximilian I. gelang 1495 mit dem Ewigen Landfrieden das Verbot der Fehden. Am 3. September 1467 starb Kaiserin Eleonore mit knapp 31 Jahren.
Rückkehr in die Reichspolitik
Seit 1470 agierte Friedrich wieder stärker auf Reichsebene. Vor allem die Bedrohung durch die Osmanen führte ihn zurück. Am 16. Juni 1471 erschien er auf dem Regensburger Christentag mit 7000 Gästen, wo eine Türkensteuer beschlossen wurde. Zum ersten Mal nach 27 Jahren besuchte er wieder einen Reichstag außerhalb seiner Erblande; sämtliche Vorgänge wurden erstmals schriftlich protokolliert. Als Reichsoberhaupt wandte er sich nun dem Westen und dem Herzogtum Burgund zu. Der zwölfjährige Maximilian wurde erstmals zu einem politischen Großereignis mitgenommen. Die neue Dynamik fiel mit einem Struktur- und Verfassungswandel zusammen, den Peter Moraw 1985 als Entwicklung „von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung“ beschrieb.
Burgund
Seit 1467 setzte Karl der Kühne die Vergrößerung der burgundischen Besitzungen fort. 1473 verhandelten Karl und Friedrich in Trier über Karls Erhebung zum König und eine Heirat zwischen Maximilian und Karls Tochter Maria. Friedrich belehnte Karl am 6. November mit dem Herzogtum Geldern, brach die Verhandlungen jedoch am 25. November 1473 abrupt ab. Ab dem 29. Juli 1474 belagerte Karl die Stadt Neuss. Friedrich rief den Reichskrieg aus und verwendete dabei erstmals die Formel „deutsche Nation“. Im Mai 1475 zwang das Reichsheer Karl zum Abbruch der Belagerung. Im November 1475 schlossen beide Frieden und vereinbarten die Verlobung. Am 5. Januar 1477 fiel Karl in der Schlacht bei Nancy.
Ende in Linz
In seinen letzten Lebensjahren blieb Friedrich in der Region an der Donau, in Wien und in Linz. 1492 wurde er zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies gewählt. Seit Februar 1493 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Am 8. Juni 1493 wurde ihm in der Linzer Burg unter Leitung des Wundarztes Hans Seyff ein Teil des linken Beines amputiert. Den Eingriff überstand er zunächst gut, doch starb er am 19. August 1493 in Linz. Am 6. und 7. Dezember 1493 fand das Begräbnis im Stephansdom statt. Sein Grabdenkmal hatte er bereits 1467 bei Niclas Gerhaert van Leyden in Auftrag gegeben; es wurde 1513 vollendet und gilt als Höhepunkt mittelalterlicher Herrscherikonographie.