Friesen
Ethnie im Norden Mitteleuropas
ie erste Erwähnung der Frisii stammt von Plinius dem Älteren im Zusammenhang mit den Drusus-Feldzügen von 12 bis 8 v. Chr. Im Jahr 12 v. Chr. fand Drusus in den Friesen Verbündete. Der römische Historiker Tacitus, geboren um 58 bis 120 n. Chr., beschrieb in Germania und Annales die Friesen als Große und Kleinere Friesen entlang der Rheinmündung und erwähnte einen Aufstand während der Regierungszeit des Tiberius, der niedergeschlagen wurde. Nach heutigen Erkenntnissen ist die fortgesetzte Verwendung des Stammesnamens das Hauptverbindungselement zwischen antiken und modernen Friesen. Die ursprünglichen Friesen sprachen vermutlich eine Rheinwesergermanische Sprache und gingen möglicherweise in der fränkischen Stammeskonföderation auf, die im 3. Jahrhundert entstand. Die Gebiete nördlich des Rheins blieben danach bis zu drei Jahrhunderte weitgehend unbesiedelt.
Im Jahre 734 eroberte Karl Martell den westlichen Teil Frieslands, wobei der letzte Gesamtherzog Poppo im Kampf gegen einen fränkischen Adeligen fiel. Diese größte Ausbreitung des friesischen Gebiets ist als Frisia Magna bekannt, wovon später nur ein kleiner, verstreuter Rest übrigblieb, da Sachsen und Franken das Territorium eroberten. Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg über die Sachsen ganz Friesland bis zur Weser für das fränkische Reich, sicherte den Stämmen jedoch eine gewisse Autonomie und ließ gegen Ende des 8. Jahrhunderts die Lex Frisionum aufzeichnen. Etwa um 800 besiedelten Friesen die nordfriesischen Inseln zwischen Eiderstedt und Sylt und unterstanden dort als Königsfriesen direkt der dänischen Krone. Im 11. Jahrhundert wurde in einer zweiten Welle auch die Westküste Süderjütlands, das spätere Herzogtum Schleswig, besiedelt. Unter der Frankenherrschaft wurden die Friesen im alten Kernland christianisiert.
Bis zum Aufstieg der Hanse waren die Friesen das bedeutendste Handels- und Seefahrervolk der Nordseeküste. Sie handelten zunächst an der ganzen Nordseeküste, vor allem mit Jütland und Irland, und gewannen im Laufe der folgenden hundert Jahre über die Zwischenstation Haithabu eine führende Stellung im Ostseehandel, von wo sie Pelze bezogen. Wie die Wikinger handelten sie auch über Gotland, Nowgorod und die russischen Flüsse bis nach Byzanz und bezogen dort Seide aus China sowie Pfeffer von den Gewürzinseln über arabische Zwischenhändler. Das größte Handelszentrum, das Wik Dorestad an der Gabelung des Alten Rheins und der Lek, handelte mit Tuchen, Wollmänteln, Salz und Getreide sowie mit Ziegenhaardecken nach Skandinavien und Seide von Kaufleuten aus Byzanz. Die dort geprägten Münzen waren europaweit anerkannt und zeugten von den weiten Handelsbeziehungen der Friesen.