Fürstabtei St. Gallen
aufgehobenes Kloster, Stiftsbezirk mit Kathedrale in der Stadt St. Gallen (Schweiz)
m 719 wurde Otmar vom Arboner Tribun Waltram von Thurgau zum Vorsteher der Gallus-Zelle eingesetzt und mit der Einführung eines regulären Klosterlebens beauftragt. Abt Gozbert erreichte 818 von Ludwig dem Frommen ein Immunitätsprivileg und damit die Erhebung zum reichsunmittelbaren Kloster. Das bisher eher königsferne Kloster wurde nunmehr zu einer Stütze der fränkischen Herrschaft in Alemannien.
Das «Goldene Zeitalter» endete abrupt am 1. Mai 926. Da die Herzöge im zerstrittenen Ostfrankenreich keine gemeinsame Abwehr aufbauen konnten, hatten sie den plündernden und brandschatzenden Banden der Ungarn nichts entgegenzusetzen. Einen Angriff auf die Fluchtburg der Mönche wagten die Ungarn nicht. Nach ihrem Abzug kehrten die Mönche mit den Einwohnern zurück und bauten die beschädigten Häuser wieder auf.
1180 fielen die Klostervogtei und die daraus abgeleitete Hohe Gerichtsbarkeit dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa zu, wodurch sie zur Reichsvogtei wurde. Das Kloster legte dadurch das Fundament für den Aufbau eines geschlossenen geistlichen Lehnsstaates. Für das Jahr 1207 ist erstmals die Anrede Reichsabt belegt.
1798 gründeten die Untertanen des Klosters im Fürstenland die Republik der Alten Landschaft St. Gallen, und die Toggenburger sagten sich ebenfalls los, womit die politische Herrschaft der Abtei endete. 1803 übernahm der neu geschaffene Kanton St. Gallen die Landeshoheit. Am 8. Mai 1805 folgte die Aufhebung des Klosters durch den Grossen Rat des Kantons St. Gallen.