Görz und Gradisca
historischer Staat in der historischen Region Friaul
ie Grafschaft Görz entstand seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts als Herrschaftsbildung der Meinhardiner. Entscheidend für den Aufstieg des Geschlechts war die enge Verbindung zum Patriarchat Aquileia, die Lehensgüter in Friaul und Istrien ermöglichte. 1271 teilten die Brüder Meinhard II. und Albert I. den Besitz: Meinhard erhielt Tirol, Albert die eigentliche Grafschaft Görz mit Besitzungen in Istrien, Friaul, Kärnten und dem Pustertal. Nach dem Aussterben der Tiroler Linie übergab Margarete von Tirol deren Besitzungen 1363 an Rudolf IV. aus dem Haus Habsburg. Die Görzer Grafschaft wurde im 14. Jahrhundert durch Teilungen geschmälert, etwa 1307 zwischen Albert II. und Heinrich III. 1365 erreichte Meinhard VII. die Anerkennung als Reichsfürst durch Kaiser Karl IV. Im Streit um das Erbe der Grafen von Cilli unterlagen die Görzer gegen Kaiser Friedrich III. und mussten 1460 im Frieden von Pusarnitz Besitzungen abtreten; nur Lienz gewannen sie 1462 zurück.
Leonhard von Görz, der letzte Graf, schloss 1500 mit Hilfe seines Administrators Virgil von Graben einen Erbvertrag mit den Habsburgern und starb kurz danach. Die Besitzungen fielen an Maximilian I., der die vordere Grafschaft mit Tirol vereinigte, während Görz als eigenes Land mit Landtag bestand. Görz wurde der innerösterreichischen Ländergruppe zugerechnet, orientierte sich politisch an der Steiermark und war 1564 unter der Herrschaft Karls von Innerösterreich. 1717 fiel die Gefürstete Grafschaft Gradisca durch Erbschaft an Habsburg, nachdem die Eggenberg ausgestorben waren; beide Länder wurden zur Gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca zusammengefasst. Von 1809 bis 1815 gehörte das Gebiet zu den Illyrischen Provinzen Frankreichs, danach zum Königreich Illyrien und später zum Kronland Küstenland. Im Ersten Weltkrieg versuchte die italienische Armee ab 1915 in zwölf Isonzoschlachten vorzudringen, wurde aber stets abgewehrt, bis das Kronland nach dem Waffenstillstand 1918 von Italien besetzt und 1919 durch den Friedensvertrag von Saint-Germain an Italien fiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam 1945 das Hinterland an Jugoslawien, während Gradisca und der Großteil von Görz bei Italien blieben.
Die Bevölkerung des Kronlandes war laut den österreichisch-ungarischen Volkszählungen vorwiegend katholisch. Bei der Volkszählung von 1900 waren 232.139 Personen römisch-katholisch, das entsprach 99,67 Prozent. Daneben gab es 354 Evangelische, 59 Orthodoxe und 295 Personen israelitischen Glaubens.